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26.11.2007 | Von:
Anja Dauschek

Management als Museumsaufgabe

Deutsche Museen haben erst spät und unter Finanzdruck begonnen, sich dem Thema Management zu stellen. Mittlerweile gehört Management zu den selbstverständlichen Steuerungsaufgaben eines Museums.

Einleitung

Wirtschaftliches Denken ist das Gebot der Stunde" - dieses Postulat der Kultusministerkonferenz fasst die Ausrichtung der Diskussion zum Thema Museumsmanagement für die 1990er Jahre prägnant zusammen.[1] Heute, mehr als eine Dekade später, stehen nicht mehr allein die Zahlen, sondern vielmehr die Qualität der Museumsarbeit im Blickpunkt. Museumsmanagement wurde von einer belastenden Pflicht zur akzeptierten Steuerungsaufgabe.






In den 1990er Jahren kamen zwei Entwicklungen zusammen: Auf der einen Seite gab es durch den Museumsgründungsboom in den 1980er Jahren[2] sehr viele Museen, deren Kosten stärker als in anderen kommunalen Kulturbetrieben stiegen.[3] Auf der anderen Seite erlebte die öffentliche Hand nach der Wiedervereinigung und mit der anschließenden Rezession eine finanzielle Krise,[4] die von Museen und anderen Kultureinrichtungen ein stärkeres wirtschaftliches Denken und Handeln forderte. Museen sollten mit den vorhandenen Ressourcen effizienter arbeiten und gleichzeitig höhere eigene Einnahmen erwirtschaften.

Aber: Die Besuchszahlen, die in den 1980er Jahren - trotz eines stärkeren öffentlichen Interesses an Ausstellungen insgesamt - in den einzelnen Museen nur wenig gestiegen waren, gingen in den 1990er Jahren zurück. In der Rezession fehlten Spenden und Sponsorengelder, und Museen fühlten sich "unter Rentabilitätsdruck"[5]. Dazu sahen sich museale Einrichtungen einer grundsätzlichen Kritik ausgesetzt: Mit der zunehmenden Bedeutung neuer Medien wurde die "Erkenntnisform der Objektanschauung" und damit implizit die Grundlage der Museumsarbeit hinterfragt.[6] Die Konkurrenzfähigkeit der Museen im Vergleich zu anderen Kultur- und Freizeiteinrichtungen stand zur Diskussion. Diese komplexe Ausgangslage findet sich in der Diskussion um neue Managementansätze für Museen in den 1990er Jahren wieder. In verschiedenen Verknüpfungen wurden finanzielle, rechtliche, organisatorische, inhaltliche und publikumsbezogene Aspekte als Lösungsansätze diskutiert. Im Mittelpunkt standen Fragen der Finanzierung, des Marketings, das Neue Steuerungsmodell (NSM) und die Möglichkeiten der Verselbstständigung.

Fußnoten

1.
Handreichung des Kulturausschusses der Kultusministerkonferenz zu den Aufgaben der Museen, Stand 27. 6. 1996, in: Museumskunde, 61 (1996) 2, S. 104.
2.
Die Vollerhebung der Museen in (West-)Deutschland umfasste 1981 erst 2 076 Museen, 1989 waren es bereits 2 964. Dazu kamen nach der Wiedervereinigung 751 ostdeutsche Museen. 1997 wurden 5 919 Museen gezählt, 2005 waren es 6 155. Statistische Erhebungen des Berliner Instituts für Museumsforschung (vormals Institut für Museumskunde), Materialien aus dem Institut für Museumsforschung, Nr.4 (1982), Nr.31 (1990), Nr.50 (1998) und Nr.60 (2006).
3.
Von 1981 bis 1991 verzeichneten die Etats der Museen einen prozentualen Zuwachs von 109 %, bei Theatern/Konzerten waren es dagegen nur 65,4 %, in der Bildung 71,2 %. Die Verwaltungskosten stiegen um 127,4 %. Vgl. Britta Lenders, Kultur des Managements im Kulturmanagement, Wiesbaden 1995, S. 99.
4.
Kritisch wurde die Finanzsituation der Kommunen mit dem von der Bundesregierung im August 1993 beschlossenen "Spar-, Konsolidierung- und Wachstumsprogramm". Vgl. Deutscher Städtetag, Städte in Not, Stuttgart 1993.
5.
Hans-Albert Treff (Hrsg.), Museen unter Rentabilitätsdruck, München 1998.
6.
Annette Zimmer, Museen zwischen Markt und Staat, in: dies. (Hrsg.), Das Museum als Nonprofit-Organisation, Frankfurt/M.- New York 1996, S. 9.