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5.10.2007 | Von:
Matthias Richter
Klaus Hurrelmann

Warum die gesellschaftlichen Verhältnisse krank machen

Wer arm, wenig gebildet und beruflich schlecht gestellt ist, wird häufiger krank und muss früher sterben. Es werden Möglichkeiten aufgezeigt, den Zusammenhang zwischen sozialer Ungleichheit und Gesundheit zu verringern.

Einleitung

Die aktuelle Diskussion über die Hartzgesetze, die Verwendung des Begriffes der sozialen Schicht im politischen Kontext oder die Chancenungleichheit in der Bildung - das eigentlich brisante Ergebnis der PISA-Studie - sind nur einige Beispiele, die die öffentliche Aufmerksamkeit nach langer Zeit wieder auf eine der zentralen gesellschaftlichen Herausforderungen gerichtet haben: Ungeachtet erheblicher Investitionen in Bildungs-, Sozial- und Gesundheitsleistungen ist soziale Ungleichheit immer noch ein bedeutendes gesellschaftliches Problem. Es sind vor allem die vertikalen Dimensionen sozialer Ungleichheit wie Bildung, berufliche Stellung und Einkommen, die aufgrund ihrer zentralen Stellung im gesellschaftlichen Leben wesentlich die Chancen und Risiken der Lebensgestaltung jedes Einzelnen beeinflussen.[1] Wenngleich das Gefüge sozialer Ungleichheit in Deutschland in den letzten 40 Jahren erhebliche Veränderungen erfahren hat, so haben diese sozioökonomischen Merkmale doch wenig von ihrer Aktualität und Bedeutung für die Realisierung von Lebenschancen verloren; sie haben vielmehr eher noch zugenommen.










Das Einkommen ebenso wie der Beruf und die Bildung stellen gesellschaftlich bedingte Vor- und Nachteile dar, die - weitgehend unabhängig von der subjektiven Wahrnehmung und der Interpretation dieser Bedingungen - nahezu jeden Lebensbereich beeinflussen. In der öffentlichen und politischen Diskussion wird oftmals verdrängt, dass auch die Gesundheit einer dieser Lebensbereiche ist, der durch eben diese sozioökonomischen Merkmale maßgeblich beeinflusst wird. Dies überrascht nicht, da zahlreiche individuelle Aspekte des Lebens durch die Stellung einer Person innerhalb der sozialen Hierarchie bedingt werden. Von dieser hängt beispielsweise ab, welche beruflichen Möglichkeiten die einzelnen Personen haben, in welchen Wohnverhältnissen sie leben, welchen beruflichen Belastungen sie ausgesetzt sind, wofür sie ihr Geld ausgeben (können), wie sie Probleme bewältigen und was sie in ihrer Freizeit tun. Viele dieser Faktoren haben einen direkten Einfluss auf die Gesundheit und deuten auf die Verbindung zwischen sozialer Ungleichheit und Gesundheit hin.

Fußnoten

1.
Vgl. Stefan Hradil, Was prägt das Krankheitsrisiko: Schicht, Lage, Lebensstil?, in: Matthias Richter/Klaus Hurrelmann (Hrsg.), Gesundheitliche Ungleichheit. Grundlagen, Probleme, Perspektiven, Wiesbaden 2006; Nicole Burzan, Soziale Ungleichheit. Eine Einführung in die zentralen Theorien, Wiesbaden 2005.