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5.10.2007 | Von:
Christine Hagen
Bärbel-Maria Kurth

Gesundheit von Kindern alleinerziehender Mütter

Veränderte Beziehungs- und Lebensformen der Eltern verändern auch die familiären Lebenswelten der Kinder. Es besteht ein Zusammenhang zwischen der gesundheitlichen und der sozialen Situation dieser Kinder. Dieser fällt für Jungen und Mädchen sowie in den west- und ostdeutschen Bundesländern je anders aus.

Einleitung

Parallel zu den Prozessen gesellschaftlicher Modernisierung und der zunehmenden Vielfalt von Lebens- und Familienformen vollzieht sich ein Wandel der gesellschaftlichen Sicht auf Trennungen und Scheidungen. Die idealisierte "Normalfamilie" mit einer auf Lebenszeit verbundenen Paarbeziehung scheint immer häufiger einem komplexen Arrangement von "Patchworkfamilien" zu weichen. Mit einem Wandel der Beziehungs- und Lebensformen von Erwachsenen verändern sich zwangsläufig auch die familiären Lebenswelten vieler Kinder. In der Folge leben von den insgesamt 14,4 Millionen Minderjährigen in Deutschland im Jahr 2005 15 Prozent in Einelternfamilien.[1] Auch wenn ein Teil der Kinder von vornherein bei nur einem Elternteil lebt, ist der häufigste Grund für das Aufwachsen in einer Einelternfamilie die Trennung oder Scheidung der Eltern, die den Kindern eine Anpassung an veränderte Lebensbedingungen abverlangt. Der Alltag in der Familie muss grundsätzlich neu organisiert werden, oftmals wird ein Wechsel des Wohnortes sowie von Schule oder Kindergarten erforderlich, häufig ändert sich der Umfang der elterlichen Berufstätigkeit, und der finanzielle Spielraum des Haushaltes wird fast zwangsläufig enger.[2] Außerdem geht die Trennung der Eltern häufig mit Auseinandersetzungen und Konflikten einher, die von vielen Kindern über Stimmungsschwankungen der Eltern und damit verbundene Auswirkungen auf den elterlichen Erziehungsstil erlebt werden.[3]








Es stellt sich die Frage nach den gesundheitlichen Auswirkungen einer Trennung und den damit verbundenen psychosozialen Belastungen von Kindern. Antworten auf diese Frage soll ein Vergleich der gesundheitlichen Risiken von Kindern in Ein- und Zweielternfamilien auf Datenbasis des Kinder- und Jugendgesundheitssurvey (KiGGS) geben. Um die Ergebnisse der KiGGS-Studie einordnen zu können, wird vorab der bisherige Forschungsstand umrissen. Der Beitrag schließt mit einer Diskussion möglicher Ansatzpunkte für eine an dieser besonderen Zielgruppe orientierten Sozial- und Gesundheitspolitik.

Fußnoten

1.
Vgl. Statistisches Bundesamt, Leben in Deutschland. Haushalte, Familien und Gesundheit - Ergebnisse des Mikrozensus 2005, Wiesbaden 2006.
2.
Vgl. Hans-Jürgen Andreß, Wenn aus Liebe rote Zahlen werden. Über die wirtschaftlichen Folgen von Trennung und Scheidung, in: ISI, 31 (2004), S. 1 - 5 (ISI = Informationsdienst soziale Indikatoren)
3.
Vgl. Ralf Bohrhardt, Vom broken home` zur multiplen Elternschaft. Chancen und Erschwernisse kindlicher Entwicklung in diskontinuierlichen Familienbiografien, in: Hans Bertram/Helga Krüger/C. Katharina Spieß (Hrsg.), Wem gehört die Familie der Zukunft? Expertisen zum 7. Familienbericht der Bundesregierung, Opladen 2006, S. 169 - 188.