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20.8.2007 | Von:
Paul Lucardie

Populismus im Parteiensystem in Deutschland und den Niederlanden

Schlussbemerkungen

Wie können die unterschiedlichen Erfolge der deutschen und niederländischen Populisten erklärt werden? Erstens erleichtert das niederländische Wahlsystem den Einzug ins Parlament: 66.000 Wähler sind einfacher zu mobilisieren als 2.400.000. Zweitens waren - wenigstens bis vor kurzem - die politische Kultur und das Parteiensystem in den Niederlanden mehr konsensorientiert und weniger polarisiert als in der Bundesrepublik. Zwar war es nicht einfach, diesen Konsens zu durchbrechen, besonders in Bezug auf tabuisierte Themen wie der multikulturellen Gesellschaft oder dem Nationalismus; aber wenn es gelang, erschloss sich dadurch ein großes Wählerpotenzial. Fortuyn gelang es, weil er über genügend Charisma verfügte. Den deutschen Populisten Schill, Brunner, Schlierer, Frey und Voigt fehlt dieses offenbar, wenigstens in diesem Ausmaß. Außerdem mussten sie fast immer miteinander konkurrieren, während Fortuyn 2002 konkurrenzlos war. Für Wilders war die Lage 2006 nicht ganz so einfach, aber er konnte seine Bekanntheit und sein "Märtyrertum" im Wahlkampf wirksam ausnutzen. Überdies stand seine - noch unbescholtene - Partei fest geschlossen hinter ihm, während seinen Konkurrenten, d.h. der LPF und ihren Abspaltungen, ihre zerstrittene Vergangenheit anhaftete. Das trifft wahrscheinlich auch auf viele deutsche rechtspopulistische Parteien zu. Sie bleiben also voraussichtlich weiterhin draußen vor der Tür stehen, während ihre niederländischen Schwestern gerade über die Schwelle getreten sind.