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9.8.2007 | Von:
Ruth Stock-Homburg
Eva-Maria Bauer

Work-Life-Balance im Topmanagement

Die fehlende Balance zwischen Beruf und Privatleben ist für Manager ein aktuelles Thema. Eine Studie der TU Darmstadt beschäftigt sich mit den Risiken einer mangelnden Work-Life-Balance und zeigt auf, wie Manager diese bewältigen können.

Einleitung

Hohe Verantwortung, eine große Vielfalt an Aufgabenbereichen sowie wachsender Zeitdruck charakterisieren die Arbeit eines Topmanagers. Um den täglichen Anforderungen im eigenen Verantwortungsbereich gerecht zu werden, ist überdurchschnittlich hohes Engagement erforderlich. Vor diesem Hintergrund sind Aussagen wie: "Meine Arbeit repräsentiert einen elementaren Bestandteil meines Lebens" charakteristischer für einen Topmanager als Aussagen wie: "Ich arbeite, um zu leben". Das hohe Engagement dieser Berufsgruppe kann mit vielen Vorteilen für Unternehmen verbunden sein. Diese reichen von einer hohen Entscheidungsqualität,[1] einer erhöhten Produktivität des Unternehmens bis hin zur nachhaltigen Beeinflussung der Unternehmenskultur durch die Verhaltensweisen des Topmanagements. Zahlreiche empirische Studien haben gezeigt, dass das wahrgenommene Engagement des Topmanagements seitens der Mitarbeiter gerade in Krisenzeiten in Unternehmen einen zentralen Erfolgsfaktor darstellt.[2]





Analog dazu kann der plötzliche Ausfall eines Topmanagers mit hohen finanziellen Belastungen für ein Unternehmen verbunden sein. Neben Produktivitätseinbußen ist an dieser Stelle insbesondere an Fehlentscheidungen sowie negative Ausstrahlungseffekte im Hinblick auf die Kultur und die geführten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu denken. Die Ursachen für den Ausfall von Topmanagern sind häufig Burnout- und andere Stresssyndrome.




Wodurch kann die langfristige Leistungsfähigkeit von Topmanagern sichergestellt und somit deren Ausfall verhindert werden? Einen Schlüssel für den langfristigen Erhalt der Leistungsfähigkeit von Topmanagern sehen wir im Management der persönlichen Work-Life-Balance. Die Ergebnisse unserer Studie zeigen, dass es sich hier um ein elementares Thema in Unternehmen handelt. Vor diesem Hintergrund ist es umso verwunderlicher, dass nach unseren Kenntnissen bislang keine wissenschaftliche Studie vorliegt, die sich explizit mit der Work-Life-Balance von Topmanagern auseinander gesetzt hat. Im Folgenden werden die Ergebnisse der ersten Studie aus einer Untersuchungsreihe der Technischen Universität Darmstadt vorgestellt. Im Rahmen der Darmstädter Work-Life-Balance Studie sollten folgende Fragen beantwortet werden:
  • Welche Faktoren beeinträchtigen die Work-Life-Balance von Topmanagern?
  • Wie können Manager erkennen, ob sie Probleme im Bereich Work-Life-Balance haben?
  • Welche Risiken sind mit einer fehlenden Work-Life-Balance für Manager und Unternehmen verbunden?
  • Welche Ansatzpunkte zur Verbesserung der Work-Life-Balance bieten sich den Managern selbst und deren Unternehmen?

  • Fußnoten

    1.
    Unter Entscheidungsqualität wird hier sowohl die inhaltliche Richtigkeit einer Entscheidung mit Blick auf die Unternehmensziele als auch ein angemessener Zeitbedarf für das Treffen von Entscheidungen verstanden.
    2.
    Vgl. u.a. Brian R. Golden/Edward J. Zajac, When will Boards Influence Strategy? Inclination x Power = Strategic Change, in: Strategic Management Journal, 22 (2001) 12, S. 1087-1111; Beverly Virany/Michael L. Tushman/Elaine Romanelli, Executive Succession and Organization Outcomes in Turbulent Environments: An Organization Learning Approach, in: Organization Science, 3 (1992) 1, S. 72-91.