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Das politische Wissen von Grundschülerinnen und -schülern


30.7.2007
Bereits Grundschulkinder sollten politischen Unterricht erfahren, der ihnen frühzeitig hilft, das Politische ihrer Alltagswelt zu verstehen. Es ist sinnvoll, politische Bildung in der Grundschule zu stärken.

Einleitung



Am Vortag des Irakkriegs 2003 sagt ein Viertklässler zu Beginn des Unterrichtsgesprächs: "Die USA will das Erdöl haben, und wenn der Irak das nicht gibt, deswegen haben die auch später Gerüchte gemacht, dass die deswegen auch Atombomben wegen dem Erdöl machen. Also die machen vom Erdöl so gefährliche Chemikalien. Und Bush will ja so oder so Krieg, der ist ja immer so gierig. Der will ja nur regieren."






Der Junge äußert eine politische Einstellung. Er spricht vom Erdöl, von George W. Bush und dessen Willen zum Krieg und zum Regieren. Seine Argumentation ist aus Erwachsenenperspektive ein wenig "holprig", aber durchaus erkennbar. Der Junge ist kein Ausnahmeschüler: Kinder begegnen dem Politischen in den Medien, wo sie professionell gestaltete Kinderseiten und Fernsehsendungen wie "logo" oder "neuneinhalb" finden, aber oftmals auch die "Tagesschau" zusammen mit Erwachsenen sehen. Sie begegnen dem Politischen "auf der Straße" in Form von Plakaten oder Demonstrationen. Sie hören Erwachsene über Politik und Politiker reden. Sie erfahren vermittelt über ihre Familiensituation die Auswirkungen von Familien- und Arbeitsmarktpolitik. Es gibt vielfältige Quellen, die ihre politische Sozialisation beeinflussen.[1]

Unterrichtsprotokolle zeigen, dass Grundschülerinnen und -schüler die Namen vielgenannter Politikerinnen und Politiker kennen sowie Parteien aufzählen können. Doch was wissen sie über Politik? Für ein Wissen, das Orientierung im Bereich des Politischen erlaubt, genügt es bekanntlich nicht, Namen zu kennen. Weiß der eingangs zitierte Viertklässler, was "regieren" ist? Vielleicht hat er eine politische Einstellung, ohne das dafür nötige Wissen zu haben - dieses Phänomen ist nicht nur bei Kindern zu finden. Zwar belegen Untersuchungen, dass das politische Interesse bei Jugendlichen erst ab dem 14. Lebensjahr signifikant ansteigt. Doch bedeutet dies nicht, dass sich Kinder gar nicht für Politik interessieren und dass sich ihr Interesse nicht im Unterricht für sie gewinnbringend aufgreifen ließe. Kinder begegnen dem Politischen auf vielfältige Weise und sind von den Folgen politischer Entscheidungen und Handlungen direkt und indirekt betroffen. Sowohl aus bildungs- als auch aus demokratietheoretischen Gründen sollten sie das Recht auf politische Bildung haben.


Fußnoten

1.
Vgl. Bernhard Ohlmeier, Politische Sozialisation von Kindern im Grundschulalter, in: Dagmar Richter (Hrsg.), Politische Bildung von Anfang an. Demokratie-Lernen in der Grundschule, Schriftenreihe der bpb 570, Bonn 2007, S. 54ff. Vgl. auch Rainer Watermann, Politische Sozialisation von Kindern und Jugendlichen, in: Aus Politik und Zeitgeschichte (APuZ), (2005) 41, S. 26 - 39; Jan W. van Deth, Kinder und Politik, in: ebd., S. 3 - 6.

 
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