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30.7.2007 | Von:
Dirk Loerwald

Ökonomische Bildung für bildungsferne Milieus

Bildungsferne als Wirtschaftsbürger

Mit Blick auf die Lebensbereiche Konsum und Arbeitswelt ist der Beitrag ökonomischer Bildung leicht darstellbar. Der Rolle eines mündigen Wirtschaftsbürgers können sich die Bildungsfernen hingegen ohne unmittelbar spürbare Konsequenzen "entledigen", was es im Vermittlungsprozess schwieriger werden lässt, die Relevanz eines Wissens um die Struktur- und Funktionsprinzipien der Wirtschaftsordnung deutlich zu machen.

Gleichwohl ist ein solches Wissen auch für das bildungsferne Prekariat bedeutsam. Immer mehr Lebensbereiche der modernen Gesellschaft sind ökonomisch geprägt. Ein Verständnis von der Funktionsweise einer Gesellschaft als Voraussetzung für die Teilhabe an gesellschaftlichen Prozessen ist ohne Kenntnisse über wirtschaftliche Zusammenhänge nicht denkbar. Um an Wirtschaft, Gesellschaft und Politik mitwirken zu können, müssen nicht nur Alltagssituationen bewältigt, sondern auch die dahinter verborgenen gesellschaftlichen Strukturen verstanden werden. Hinzu kommt, dass es eine unentbehrliche Voraussetzung der Demokratie ist, dass alle Bürgerinnen und Bürger mit einem Mindestmaß an Problemsensibilität für "epochale Schlüsselprobleme" (H. Klafki) ausgestattet sind und dass sie in der Lage sind, alternative Lösungsansätze bewerten zu können. Das Gelingen notwendiger gesellschaftlicher Reformen hängt davon ab, ob diese Reformen verstanden, mitgetragen oder sogar mitgestaltet werden. Da also die Entschärfung der großen gesellschaftlichen Probleme nicht gegen, sondern nur gemeinsam mit den bildungsfernen Milieus gelingen kann, sind sie mit einem Wissen auszustatten, welches ihnen eine sozial verantwortete Teilhabe an Wirtschaft, Gesellschaft und Politik ermöglicht.