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24.7.2007 | Von:
Armin Pfahl-Traughber

Ideologische Erscheinungsformen des Antisemitismus

Antisemitismus ist eine Sammelbezeichnung für unterschiedliche ideologische Begründungen für die pauschale Feindschaft gegen und Herabwürdigung von Juden. Im Laufe der Jahrhunderte bildeten sich religiöse, soziale, politische, rassistische, sekundäre und antizionistische Ideologieformen heraus.

Einleitung

Antisemitismus in seinen unterschiedlichsten Erscheinungsformen stand in der jüngsten Zeit immer wieder im Zentrum des öffentlichen Interesses. Exemplarisch dafür seien genannt die laut Meinungsumfragen nicht unbeträchtliche Verbreitung derartiger Einstellungen in der Bevölkerung, die Hohmann- und Möllemann-Affäre, die latenten Ressentiments in der Israelkritik einiger Medien, die unterschwelligen Töne in der Agitation mancher Globalisierungskritiker gegen das "Finanzkapital", das öffentliche Wehklagen von Rechtsextremisten gegen die Holocaust-Erinnerung oder die hasserfüllte Propaganda islamistischer Gruppen gegen Israel.[1]




Doch handelt es sich in allen genannten Fällen immer um Antisemitismus? Auf welche Argumentationsmuster greifen die jeweiligen Protagonisten zurück? Derartige Fragen können nur differenziert beantwortet werden, wenn über das Verständnis von Antisemitismus Klarheit besteht. Darüber hinaus bedarf es einer Unterscheidung ideologischer Erscheinungsformen von Antisemitismus. Nur so lassen sich aktuelle Aussagen und Handlungen in den historischen und inhaltlichen Kontext des Antisemitismus einordnen. Dazu will die vorliegende Abhandlung einen Beitrag leisten, indem sie eine Typologie - also eine Einteilung nach Varianten des Antisemitismus - präsentiert.

Dem vorangestellt finden sich Ausführungen zu Definition und Kontroversen um den Begriff "Antisemitismus". Danach werden die einzelnen ideologischen Formen zunächst abstrakt definiert, ihre historische Herausbildung skizziert und ihre aktuelle Bedeutung eingeschätzt. Zu ihnen zählen der religiöse, soziale, politische, rassistische, sekundäre und antizionistische Antisemitismus. Abschließend soll das Verhältnis der genannten Formen zueinander erörtert werden. Bereits hier sei allerdings angemerkt, dass es sich um eine idealtypische Unterscheidung handelt. Die erwähnten Varianten kommen meist gemischt und nur selten in reiner Form vor.

Fußnoten

1.
Vgl. Philipp Gessler, Der neue Antisemitismus. Hinter den Kulissen der Normalität, Freiburg 2004.