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5.4.2007 | Von:
Dieter Ruloff
Livia Schubiger

Kriegerische Konflikte: eine Übersicht

In seiner äußeren Erscheinungsform ist Krieg ein wahres "Chamäleon": Er reicht von gewaltsamen Auseinandersetzungen zwischen politisch autonomen Lokalgruppen bis zum Terrorismus.

Einleitung

Seit geraumer Zeit prognostiziert die Politikwissenschaft das Ende des Krieges als Mittel der Politik.[1] Das Ende des Kalten Krieges 1989/91 schien die Menschheit diesem Traum ein gutes Stück näher zu bringen; das damals vorhergesagte "Ende der Geschichte"[2] hätte ganz wesentlich auch ein Ende militärischer Auseinandersetzungen sein sollen. Man hatte sich gründlich geirrt. Die 1990er Jahre brachten u.a. auf dem Balkan, im Kaukasus sowie in West- und Zentralafrika damals kaum mehr für möglich gehaltene, vielfach als "ethnisch" oder "neu" bezeichnete Konflikte und kriegerische Exzesse, die alle Hoffnungen auf eine neue, friedliche Weltordnung blutig zunichte machten. Auch im politischen Instrumentarium der letzten Supermacht bleibt Krieg offensichtlich ein fester Bestandteil.[3]



Was ist Krieg? Oder besser, was gilt in der empirischen Forschung als Krieg? Die Arbeitsgemeinschaft Kriegsursachenforschung an der Universität Hamburg (AKUF)[4] folgt bei ihrer Einschätzung der klassischen Definition des ungarischen Friedensforschers István Kende (1917 - 1988):

Kriege werden als solche gezählt, wenn erstens zwei oder mehr Parteien in bewaffnete Auseinandersetzungen verstrickt sind, wobei mindestens eine aus den regulären Streitkräften einer Regierung bestehen sollte; wenn zweitens ein "Mindestmaß" an zentral gelenkter Organisation der Kriegführung gegeben ist; und wenn drittens eine gewisse Kontinuierlichkeit der Feindseligkeiten herrscht. Wenn nicht alle diese Kriterien erfüllt sind, wird von bewaffneten Konflikten gesprochen. Andere Forschungsprojekte definieren zusätzlich eine quantitative Schwelle, in der Regel 1000 Kriegsopfer insgesamt oder pro Jahr.

Fußnoten

1.
Vgl. z.B. Werner Levi, The Coming End of War, Beverly Hills 1981.
2.
Francis Fukuyama, The End of History, in: The National Interest, 16 (1989), S. 3-18.
3.
Vgl. The White House, The National Security Strategy of the United States of America, September 2002, Washington 2002; The White House, The National Security Strategy of the United States of America, March 2006, Washington 2006.
4.
Vgl. AKUF: http://www.sozialwiss.uni-hamburg. de/publish/Ipw/Akuf/index.htm.