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12.2.2007 | Von:
Bohdan Hud

Das ukrainisch-polnische Verhältnis

Die gegenwärtigen ukrainisch-polnischen Beziehungen sind von Offenheit und gegenseitigem Interesse geprägt. Die Gespenster der Geschichte scheinen in die Vergangenheit zu entweichen.

Einleitung

Ukrainer und Polen gehören zur Gruppe benachbarter Völker, über die man - im Anklang an die Worte des "Eisernen Kanzlers" Otto von Bismarck - sagen kann, dass sie in ihrer Geschichte keine guten Freunde waren.[1] Die Geschichte der ukrainisch-polnischen Beziehungen umfasst über tausend Jahre. Im Verlaufe einer so langen Zeit durchliefen sie naturgemäß einen langen Weg der Bildung, Entwicklung und Veränderung ihres Charakters.






Die Gründung zweier benachbarter Staaten, der Kiewer Rus (Kiewer Reich) und des Staates der Piasten, in deren Rahmen die Herausbildung der ukrainischen und der polnischen Ethnie begann, fällt in das Ende des ersten Jahrtausends nach Christus. Praktisch gleichzeitig empfingen sie das Christentum: 966 (Piasten bzw. Polen) und 988 (die Rus), mit dem Unterschied, dass die Polen das Christentum des lateinischen oder westlichen Ritus annahmen, die Rus hingegen des byzantinischen oder östlichen. Von da an übte dieser Unterschied der religiösen und zugleich auch zivilisatorischen Zugehörigkeit einen bedeutenden Einfluss auf die ukrainisch-polnischen Beziehungen aus. Zwar war auch die Kiewer Rus im Laufe der Jahrhunderte offen für westliche Einflüsse, und die ukrainische Orthodoxie war - im Unterschied etwa zur moskowitischen - toleranter gegenüber anderen Glaubensbekenntnissen. Dennoch ist Ivan Lysjak-Rudnyc'kyj darin zuzustimmen, dass gerade "die Religion die Ukrainer und Polen immer mit einer groben Linie voneinander trennte".[2]


Fußnoten

1.
Übersetzung aus dem Ukrainischen: Dr. Ernst Lüdemann, Nußloch.

Vgl. Jan Feldman, Bismark a Polska, Warschau 1980, S. 472.
2.
Ivan Lysjak-Rudnyc'kyj, Istorycni ese V 2 t. Tom 1, Kiew 1994, S. 85.