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16.1.2007 | Von:
Thomas Ahbe

Deutsche Generationen nach 1945

Die ersten Nachkriegsgenerationen

Im Folgenden soll diskutiert werden, welche Voraussetzungen für einen Vergleich der ersten beiden Nachkriegsgenerationen der Bundesrepublik und der DDR bestehen. In Ost und West waren die Angehörigen dieser Jahrgänge sowohl damit konfrontiert, dass sie selbst, vor allem aber die vorhergehenden Kohorten und insbesondere die ihrer Eltern in die Verbrechen des nationalsozialistischen Deutschlands verstrickt waren - als auch mit der Aufgabe, die Nabelschnur zum Bereich dieser Schuld zu kappen, um sich auf eine lebbare Zukunft zu orientieren. Die Bewältigung dieser allgemeinen und systemunspezifischen Aufgaben erfolgte zum einen auf gleicher Grundlage, nämlich auf der Basis gleicher Mentalität und Sozialisation, der gleichen ideologischen Vorprägungen und Erfahrungen. Zum anderen geschah sie unter sich schon bald sehr deutlich unterscheidenden Formen von Herrschaftsausübung, wirtschaftlichen und alltagskulturellen Verhältnissen sowie verschiedener Diskurse in Bundesrepublik und DDR. Diese lieferten unterschiedliche Erklärungen über die Ursachen des Nationalsozialismus und die Zukunft des jeweiligen Teilstaates.

Zur ersten westdeutschen Generation, die in der Forschung als "45er" bezeichnet wird, zählt man die Jahrgänge 1918 bis 1930, zur ersten ostdeutschen Generation, die als "Aufbau-Generation" bezeichnet wird, die Jahrgänge 1925 bis 1935. Grundlage für die Beschreibung der ersten westdeutschen Generationsgestalt war lange Zeit der von Helmut Schelsky 1957 unter dem Titel "Die skeptische Generation" zusammengefasste Überblick zu empirischen jugendsoziologischen Arbeiten.[14] Das Etikett haben Angehörige der beschriebenen Jahrgänge oft als Selbstbeschreibung übernommen. Auch beim Autor hat "sein eigenes ideologisches Gepäck und seine Lebensgeschichte sicher eine entscheidende Rolle für seine Interpretation" gespielt.[15]

Die materialreichste Aufarbeitung der Literatur zur Generation der "45er" liefert Dirk Moses, der für die Grenzen dieser Generation 1918 (das Geburtsjahr von Helmut Schmidt) und 1930 (das Geburtsjahr von Helmut Kohl) vorschlägt. Rolf Schörken diskutiert für die Charakterisierung der Jugendlichen und jungen Erwachsenen der Nachkriegszeit die Autobiographien der Geburtsjahrgänge 1922 bis 1933. Heinz Bude konzentriert seine Untersuchungen zur "Flakhelfer-Generation" auf die Jahrgänge 1926 bis 1930, und Christina von Hodenberg ordnet die in westdeutschen Medien tätigen "45er" jenen zu, die "etwa zwischen 1921 bis 1932 geboren" wurden.[16]

Auch bei der ersten ostdeutschen Generation hat sich die Etikettierung und Kohortenzuordnung gewandelt. Ina Merkel wies darauf hin, dass "der Begriff Aufbau-Generation (...) mißverständlich (...) auf zwei verschiedene Generationen angewendet" wird. Sie spricht von einer ersten (die Jahrgänge von 1910 bis 1928) und einer zweiten Aufbaugeneration, letztere nennt sie auch "erste FDJ-Generation", der sie "die dreißiger und vierziger Jahrgänge" zurechnet. Hartmut Zwahr ordnet "der FDJ-Aufbaugeneration" als "Kern die Jahrgänge 1920 - 1929" zu, Werner Mittenzwei sieht im Jahrgang 1927 "eine gewisse Scheidelinie". Wolfgang Engler bezeichnet jene, die "um das Jahr 1930 herum geboren" wurden, als "zweite politische Generation der DDR", Lutz Niethammer nutzt stattdessen das Label "HJ/FDJ-Generation", Dorothee Wierling "HJ-Generation". In jüngeren Arbeiten von Bernd Lindner, Mary Fulbrook und Thomas Ahbe/Rainer Gries wird der Terminus "Aufbau-Generation" verwendet.[17]

Es ist zu konstatieren, dass die aktuelle Diskussion zur ersten Nachkriegsgeneration in Ost- und Westdeutschland keine parallele Jahrgangszuordnung liefert. Damit stellt sich die Frage, welche Folgen diese Inkongruenz für einen Vergleich des gesamten Systems der west- und der ostdeutschen Generationsgestalten haben könnte. Die erste Generation des Westens, die "45er", ist "älter" als die erste des Ostens, die "Aufbau-Generation". Die "45er" waren innerhalb der deutschen Militärmaschinerie stärker mit Schuld und Schrecken konfrontiert. Zudem fehlten ihnen solche Leitdiskurse, die sie in gleicher Art, wie es im Osten geschah, auf die Zukunft hin orientierten oder zumindest die Bewältigung der Niederlage anleiteten. Beides führte dazu, dass man die eigenen Anstrengungen und Leiden letztlich als "sinnlos" ansah und sich betrogen fühlte.[18] Nach der Jugendamnestie von 1948 konnten sich die "45er", die nach 1918 geboren wurden, in besonderer Weise als entschuldet betrachten. Beim Umgang mit dieser Situation gab es Unterschiede: Die jüngeren unter den "45ern", jene, die bis zuletzt an den Endsieg geglaubt hatten, mussten sich nach dem Schock von 1945 intensiver und kritischer mit ihrer früheren Welt und ihrem Engagement auseinandersetzen. Sie konnten sich am nachhaltigsten von ihrer "rechtsorientierten Sozialisation" lösen.[19] Andere "45er", die Älteren bzw. Gebildeteren, die als Wehrmachtsangehörige und als Flakhelfer schon vor der Niederlage desillusioniert waren, hatten nach 1945 weniger intensive Umkehrerlebnisse. Bei ihnen hätte diese sozialisierte "Kultur von rechts" - von ihnen unerkannt, unbearbeitet, von außen nicht thematisiert - weiter wirken können.[20]

Die "45er" waren es gewohnt, sich diszipliniert und engagiert an Autoritäten zu orientieren - und so fügten sie sich in die neue Gesellschaft ein. Zwar grenzte sich die junge Bundesrepublik normativ vom "Dritten Reich" ab, dennoch trugen die Diskurse der 1950er Jahre nur wenig zur Analyse des Nationalsozialismus bei.[21] Wie die Älteren, so schwiegen auch die "45er" in Bezug auf die NS-Zeit. Ihre Generation "steht weder auf der Seite der Angeklagten, noch kann sie sich auf die Seite der Ankläger schlagen"[22] - und so tauchte sie gewissermaßen in Richtung Zukunft unter dem Problem der NS-Vergangenheit hindurch. Diesen Eindruck vermitteln neuere Arbeiten, die Integration und Reintegration nach 1945 thematisieren.[23] Was bestimmte Personen während der NS-Zeit getan hatten, wurde weniger aus prinzipiellen Gründen thematisiert, sondern dann, wenn einstige Nazis die Karriere und den Lebensentwurf der "45er" in der demokratischen Bundesrepublik behinderten. In einer Kampagne der Gewerkschaft ÖTV anlässlich der Enttarnung des Leiters des rheinland-pfälzischen Landeskriminalamtes als Massenmörder wurde skandalisiert, dass diese Gruppen "erfahrungsgemäß wie Pech und Schwefel" zusammenhielten, "um anderen hochqualifizierten, politisch unbelasteten Kriminalbeamten den Aufstieg zu versperren".[24]

Die "45er" konnten wegen der Entnazifizierung und Neuordnung des Medienwesens durch die Alliierten, wie auch durch viele Neugründungen in großer Zahl in den Medienbereich ein- und dort rasch aufsteigen, weswegen diese Generation hier einen prägenden Einfluss ausübte.[25] Darin unterschied sich der Mediensektor deutlich von der Politik, der Verwaltung, dem Militär oder der Polizei. Von Hodenberg rekonstruiert, wie sich die im Medienbereich tätigen "45er" zur NS-Vergangenheit stellten. Sie waren "willens, die Verstrickungen der Älteren zu tolerieren, stellten jedoch eine Bedingung: Diese mussten sich mit der demokratischen Nachkriegsordnung arrangieren."[26] Die "45er" haben sich, so scheint es, nach den im Nationalsozialismus sozialisierten Mustern in die westdeutsche Demokratie eingefügt. Sie hatten "nie gelernt (...) im Konfliktfall das Gewissen zu befragen. Vielmehr tat man in Konflikten ungefähr das, was die anderen auch taten, und das erklärt ihre Schwierigkeiten, initiativ und zugleich kollektiv zu handeln. Hier liegteiner der Hauptgegensätze zu den ,68ern`."[27]

Hat sich die ostdeutsche Parallelgeneration in ihrer Nachkriegsgesellschaft anders entwickelt, hat sie sich anders verstanden? Welche Wirkung hatten die - vor allem mit dem jüngeren Segment der "45er" geteilten - gleichen Erfahrungen, sozialisatorischen und ideologischen Vorprägungen in einem anderen politischen System? Die ostdeutsche Generationsgestalt ist dem heutigen Diskussionstand gemäß "jünger" als die erste westdeutsche Nachkriegsgeneration. Nur die Ältesten erlebten das Kriegsende als sehr junge Soldaten, als "Flakhelfer",[28] beim Reicharbeitsdienst oder im Volkssturm. Die Angehörigen der "Aufbau-Generation" konnten damit in der Selbst- und Fremddeutung viel stärker als unschuldig[29] gesehen werden - anders als Angehörige der "45er-Generation", zu denen jene Frontsoldaten gezählt werden, die zum Kriegsende in der Mitte ihres dritten Lebensjahrzehnts standen.

Die neuen Machthaber in der SBZ/DDR ermöglichten den endzwanziger und frühen dreißiger Jahrgängen einen noch nicht da gewesenen Bildungsaufstieg.[30] Relativ jung an Jahren, besetzten Angehörige der "Aufbau-Generation" die durch Entnazifizierung, antibürgerliche Umgestaltung und Abwanderung in den Westen vakant gewordenen Positionen. Diese massenhaft genutzte Aufstiegschance bestand weder für die vor 1925 noch für die nach 1935 Geborenen.[31] Die Bildungsaufsteiger mussten sich zum "Antifaschismus", später zum Sozialismus bekennen und durften den politischen und moralischen Führungsanspruch der Patriarchen nicht in Frage stellen.[32] Der DDR-Offizialdiskurs vom Aufbau einer neuen "antifaschistischen", antikapitalistischen, "gerechten und friedlichen Gesellschaft" legitimierte das Handeln der "Aufbau-Generation" und erfüllt die Funktion eines Generationsdiskurses. Viele Angehörige der "Aufbau-Generation" übernahmen diese Orientierungen, "zogen die richtigen Lehren" aus der deutschen Schuld und beschritten begeistert den Weg der Verheißung in eine "neue Gesellschaft ohne Ausbeutung und Krieg".

Der größte Teil reagierte nüchtern, pragmatisch, im Selbstverständnis unpolitisch und unideologisch auf dieses Angebot. Sie arrangierten oder fügten sich und behielten gleichzeitig nicht selten eine innere Distanz zu den offiziellen politischen Werten.[33] Im Unterschied zu den "45ern" verlief der soziale Aufstieg der "Aufbau-Generation" rascher und relativ konfliktfrei. Die Angehörigen der "Aufbau-Generation" mussten sich ihre Positionen zumeist nicht selbst erkämpfen, vielmehr wurden ihnen diese von den Patriarchen - mit den bekannten Auflagen - übereignet.[34] Die früheren "bürgerlichen" Fachkräfte und Funktionseliten sind während der fünfziger Jahre aus dem Feld geschlagen worden und zum großen Teil nach Westen abgewandert, die Verbliebenen hatten ihren politischen Einfluss eingebüßt, und ihre ideologische und kulturelle Dominanz war deutlich geschmälert.[35] Ihre Kämpfe hatten die Aufsteiger der "Aufbau-Generation" eher gegen die Distinktionspraktiken der bürgerlichen Fachkräfte und bei der Akkumulation kulturellen Kapitals auszufechten, eben dort, wo ihnen die Patriarchen keine Schützenhilfe leisten konnten.

Wie die Angehörigen der "Aufbau-Generation" zur NS-Vergangenheit Distanz gewannen und ins (Berufs)Leben einstiegen, war jedoch nur auf den ersten Blick eine reine Erfolgsgeschichte. Auf den zweiten zeigen sich in der Biographie dieser Generation einige Hypotheken. Ihre Angehörigen konnten nie die Patriarchen-Gruppen als Machtelite ablösen und eigene Vorstellungen durchsetzen. Das Kahlschlag-Plenum der SED vom Dezember 1965 lässt sich als Beispiel für die intergenerationelle Auseinandersetzung lesen - ein Dissens, der durch das Machtwort der Patriarchen und die moralische Bindung der jüngeren Generation an die Patriarchen entschieden wurde. Die "Aufbau-Generation" konnte nicht in der Art "erwachsen werden", wie es die "45er" konnten - diese machten im Zuge eines normalen Generationswechsels den Älteren auch die Führungs- und Elitepositionen streitig und lösten diese schließlich ab. Während für die "45er" in der Auseinandersetzung mit den älteren Positionsinhabern auch das Argument der NS-Vergangenheit relevant oder zumindest funktional sein konnte, war das der "Aufbau-Generation" nicht gegeben. Denn die Kerngruppe der SED-Machthaber sowie der mit ihr assoziierten ostdeutschen Kulturelite waren zumeist Gegner oder Opfer des Nationalsozialismus. Den jungen Aufsteigern war bewusst, dass weder sie noch ihre Eltern sich gegen den Nationalsozialismus engagiert hatten. Der antifaschistische Offizialdiskurs hatte die "Aufbau-Generation" nicht nur informiert und sensibilisiert, sondern zugleich auch deren geringen moralischen Kredit bloßgelegt. Gegenüber den Kämpfern gegen den Nationalsozialismus, den Emigranten, gewissermaßen gegenüber der gesamten Generationseinheit der nun herrschenden "misstrauischen Patriarchen", waren sie in einer Position moralischer Inferiorität. Sie verspürten den antifaschistischen Gründervätern gegenüber eine nie völlig abzutragende Bringschuld, die sowohl Unterordnung wie auch großes Engagement beim Aufbau der neuen Ordnung förderte.

In diesem Dilemma steckten auch viele, die der Diktatur im Osten in Distanz oder Gegnerschaft gegenüberstanden. So erinnert sich der einstige Neulehrer Günter de Bruyn: "Denn die eifernde Schulleiterin hatte unter Hitler im Gefängnis gesessen, der dogmatische und gebildetste Dozent war ein Emigrant gewesen - man selbst aber hatte Hitler gedient."[36] Die Diktatur im Osten war moralisch durch den Antifaschismus der herrschenden Kerngruppe und die Verstrickung der Älteren in den Nationalsozialismus gestützt. Diese moralische Dimension und natürlich das - auch im Westen bei diesen Jahrgängen zu beobachtende - pragmatische und konforme Arrangement mit den Verhältnissen minderte bei den Angehörigen der "Aufbau-Generation" die Bereitschaft zu Kritik und Protest.

Fußnoten

14.
Vgl. Helmut Schelsky, Die skeptische Generation, Düsseldorf-Köln 1957.
15.
"Schelsky (1912 - 1984) war in seiner Jugend ein begeisterter Nazi gewesen, der in den frühen dreißiger Jahren in SA-Uniform auftrat, um die Vorlesung mißliebiger Professoren zu sprengen." Dirk Moses, Die 45er. Eine Generation zwischen Faschismus und Demokratie, in: Neue Sammlung, 40 (2000), S. 233 - 263, hier S. 238.
16.
Vgl. ebd., ferner: Rolf Schörken, Niederlage als Generationserfahrung, Weinheim-München 2004; Heinz Bude, Deutsche Karrieren. Lebenskonstruktionen von Aufsteigern aus der Flakhelfer-Generation, Frankfurt/M. 1987; Christina von Hodenberg, Konsens und Krise. Eine Geschichte der westdeutschen Medienöffentlichkeit 1945-1973, Göttingen 2006, S. 245.
17.
Vgl. Ina Merkel, Leitbilder und Lebensweisen von Frauen in der DDR, in: Hartmut Kaelble/Jürgen Kocka/Hartmut Zwahr (Hrsg.), Sozialgeschichte der DDR, Stuttgart 1994, S. 359 - 382, hier S. 365f.; ferner: Hartmut Zwahr, Umbruch durch Ausbruch und Aufbruch. Die DDR auf dem Höhepunkt der Staatskrise 1989, in: ebd., S. 426 - 465, hier S. 449f.; Werner Mittenzwei, Die Intellektuellen. Literatur und Politik in Ostdeutschland 1945 - 2000, Berlin 2002, S. 75; Wolfgang Engler, Die Ostdeutschen. Kunde von einem verlorenen Land, Berlin 1999, S. 321; Lutz Niethammer, Volkspartei neuen Typs? Sozialbiografische Voraussetzungen der SED in der Industrieprovinz, in: Prokla, 20 (1990) 80, S. 40 - 70, hier S. 63ff.; Dorothee Wierling, Die Jugend als innerer Feind. Konflikte in der Erziehungsdiktatur der sechziger Jahre, in: H.Kaelble u.a. (ebd.), S. 404 - 425, hier S. 420ff.; B.Lindner (Anm. 5); Mary Fulbrook, Generationen und Kohorten in der DDR. Protagonisten und Widersacher des DDR-Systems aus der Perspektive biographischer Daten, in: A. Schüle u.a. (Anm. 1), S. 113 - 130; T. Ahbe/R. Gries (Anm. 1).
18.
In fast 500 Lebensläufen und Deutschaufsätzen westdeutscher Gymnasiasten der Jahre 1946 bis 1950 stand das Gefühl, betrogen worden zu sein, im Vordergrund, vgl. Rolf Schörken, Jugend 1945. Politisches Denken und Lebensgeschichte. Opladen 1990, S. 124ff., S. 140ff.
19.
Gabriele Fischer-Rosenthal (Hrsg.), Die Hitlerjugendgeneration. Biographische Thematisierung der Vergangenheit als Vergangenheitsbewältigung, Essen 1986, S. 54, S. 97ff., S. 317, S. 370.
20.
In diesen Fällen sei "die intellektuelle, kognitive Ablösung von Nazi-Ideologie erfolgt, ohne daß die mentale Basis, auf welcher der faschistische Überbau aufruhte" aufgelöst worden sei. R. Schörken nennt patriarchalisches und hierarchisches Denken, autoritäre Orientierungen, Fixierung auf ein Wir, nationalistisches Denken, Glorifizierung von Gewalt und kriegerischen Tugenden, Überzeugung von der Überlegenheit des deutschen Volkes, Dämonisierung von Minderheiten; vgl. Anm. 18.
21.
Vgl. Hermann Lübbe, Der Nationalsozialismus im deutschen Nachkriegsbewußtsein, in: Historische Zeitschrift, 236 (1983), S. 579 - 599, hier S. 585ff.; Hans-Ulrich Thamer, Die westdeutsche Erinnerung an die NS-Diktatur in der Nachkriegszeit, in: Peter März/Hans-Joachim Veen (Hrsg.), Woran erinnern? Der Kommunismus in der deutschen Erinnerungskultur, Köln-Weimar-Wien 2006, S. 51 - 70, S. 59ff.
22.
H. Bude (Anm. 16), S. 69.
23.
Vgl. Wilfried Loth/Bernd-A. Rusinek (Hrsg.), Verwandlungspolitik. NS-Eliten in der westdeutschen Nachkriegsgesellschaft, Frankfurt/M. 1998; Norbert Frei (Hrsg.), Karrieren im Zwielicht, Frankfurt/M. 2001; Ulrich Herbert (Hrsg.), Wandlungsprozesse in Westdeutschland, Göttingen 2002.
24.
Patrick Wagner, Die Resozialisierung der NS-Kriminalisten, in: U. Herbert (ebd.), S. 179 - 213, hier S. 197.
25.
Ch. von Hodenberg (Anm. 16), S. 245ff. So erwies "sich der Spiegel mit einer Redaktion im Durchschnittsalter von 30 Jahren schon Anfang der 50er Jahre als Vorzeigeprojekt der ,45er`-Generation." Ebd., S. 249.
26.
Ebd., S. 270, vgl. auch S. 246ff. Als eine aktive Minderheit gab es in der Generation der "45er" auch Personen, die dezidiert den Nationalsozialismus und seine Aufarbeitung thematisierten, etwa Ralf Dahrendorf (geb. 1929), Günter Grass (1927), Jürgen Habermas (1929), Rolf Hochhuth (1931) und Martin Walser (1927).
27.
R. Schörken (Anm. 16), S. 164.
28.
Der erste Jahrgang von 17-Jährigen, der aufgrund der Verordnung zur "Heranziehung zum Kriegshilfeeinsatz der deutschen Jugend in der Luftwaffe" 1943 als Flakhelfer und Marinehelfer eingezogen wurde, war der Jahrgang 1926, der letzte der Jahrgang 1928.
29.
Zur Auseinandersetzung mit der Schuldfrage vgl. Ulrich Mählert/Gerd-Rüdiger Stephan, Blaue Hemden, Rote Fahnen. Die Geschichte der FDJ, Opladen 1996, S. 25ff.
30.
Im Jahr 1949 wurden die Arbeiter-und-Bauern-Fakultäten (ABF) gegründet bzw. aus bereits bestehenden Vorstudienanstalten gebildet und an Universitäten und technischen Hochschulen angesiedelt, damit mehr Kinder von Arbeitern und Bauern dort nach einem in der Regel drei Jahre dauernden Studium das Abitur ablegen und in der Folge ein Hochschulstudium aufnehmen konnten. Die systematische Förderung führte dazu, dass Ende der 1950er Jahre der Anteil von Arbeiter- und Bauernkindern unter den Studierenden annähernd der sozialen Zusammensetzung der Bevölkerung entsprach. Bis zur Schließung der ABF wurden auf diesem Wege knapp 34 000 Personen zum Hochschulstudium geführt.
31.
Vgl. M. Fulbrook (Anm. 17).
32.
Vgl. Arnd Bauerkämper, Sozialgeschichte der DDR, München 2005, S. 73ff.
33.
In lebensgeschichtlichen Studien zu Heimatvertriebenen aus der Aufbau-Generation wird deutlich, in welchem Ausmaß der Bildungsaufstieg ein Ausweg aus der familiären Misere auf dem Land bedeuten konnte. Vgl. Christian König, Heimatvertriebene Angehörige der Aufbaugeneration in Thüringen. Lebensgeschichtliche Studien. Magisterarbeit am Historischen Institut der Friedrich-Schiller-Universität Jena, Ms., Jena 2005.
34.
Vgl. Michael Hofmann/Dieter Rink, Mütter und Töchter - Väter und Söhne. Mentalitätswandel in zwei DDR-Generationen, in: BIOS, 6 (1993) 2, S. 199-223, hier S. 209.
35.
Vgl. detailliert zu diesem widersprüchlichen Prozess: Ralph Jessen, Akademische Elite und kommunistische Diktatur, Göttingen 1999; Georg Wagner-Kyora, Der ausgebliebene Identitätswandel. Akademiker-Generationen im Leuna-Werk, in: A. Schüle u.a. (Anm. 1), S. 131 - 167.
36.
Günter de Bruyn, Zwischenbilanz. Eine Jugend in Berlin, Frankfurt/M. 1992, S. 374.