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12.12.2008 | Von:
Hubert Knoblauch

Die populäre Religion und die Transformation der Gesellschaft

Die Religion nimmt einerseits Formen der populären Kultur an und verlagert andererseits ihre Themen auf das Subjekt als "Spiritualität". Ursachen dafür sind die Aufwertung des Wissens, die veränderte Stellung der Frauen und veränderte Kommunikationsstrukturen.

Einleitung

Der Titel "populäre Religion" trägt eine Doppeldeutigkeit, die durchaus beabsichtigt ist. "Popularität" weist einmal auf die öffentliche Beliebtheit der Religion hin. "Beliebtheit" ist zwar schwer zu messen, es ist aber kaum zu übersehen, dass die Religion in jüngerer Zeit auf ein rasant gestiegenes Interesse stößt. Allerdings bewegt sich dieses Interesse keineswegs in den herkömmlichen Bahnen der kirchlichen Religiosität. Auch wenn man die Kirchen als bedeutendste Trägerinnen der Religion nicht kleinreden sollte, so richtet sich doch das gewachsene Interesse viel stärker auf diejenigen Aspekte der Religion, die eher am Rande, ja außerhalb der etablierten Großkirchen liegen.




Daher ist auch keine Trendwende in der Kirchlichkeit der Bevölkerung zu beobachten. Dies gibt einen Hinweis auf den zweiten Aspekt der Popularität: Die erfolgreichen Formen der Religion sind zugleich Formen einer popularisierten Religion. Die Popularisierung bedeutet nämlich keineswegs nur eine Ergänzung der Religion, sondern deutet auf eine massive Transformation hin, die sich subjektiv in einer zunehmenden Bedeutung der Spiritualität äußert. Während ich die populäre Religion und die wachsende Spiritualität hier nur kurz skizzieren kann,[1] möchte ich einen Versuch unternehmen, die Transformation der Religion als Ergebnis der gesellschaftlichen Veränderungsprozesse zu beschreiben.

Fußnoten

1.
Vgl. Hubert Knoblauch, Populäre Religion. Markt, Medien und die Popularisierung der Religion, in: Zeitschrift für Religionswissenschaft, 8 (2000), S. 143 - 161. Eine ausführlichere Darstellung des Autors ist in Vorbereitung: H. Knoblauch, Populäre Religion. Die Sehnsucht nach Spiritualität, Frankfurt/M.-New York 2009.