APUZ Dossier Bild

12.12.2008 | Von:
Ulrich Steuten
Hermann Strasser

Lady Di - Die moderne Madonna

Die attraktive Schönheit

Keine Frau, so wurde oft behauptet, sei so häufig fotografiert worden wie Lady Diana. Wenngleich es für Mitglieder aller Adelsgeschlechter der Welt sicherlich nicht außergewöhnlich ist, begehrtes Ziel von Fotografen zu sein, so liegt im Fall der Princess of Wales doch eine Besonderheit vor.

Spätestens seit der Bekanntgabe ihrer Vermählung mit Prinz Charles bis zu ihrem Tod galt sie als eine der besonders attraktiven Erscheinungen innerhalb der adeligen Welt. Sowohl ihre anfängliche Schüchternheit und Verlegenheit im Umgang mit der medialen Öffentlichkeit wie später ihre selbstbewusste Inszenierung ihrer Person stellten offensichtlich einen hohen fotografischen Anreiz dar. Die aufwändig arrangierte Hochzeit machte die gerade 18-jährige Kindergärtnerin 1981 in den Augen Vieler zu einer wunderschönen Märchenprinzessin.[16] Doch hätten sich damals nur wenige an den Ausspruch des Malers Mario Cavaradossi "Diese Weiber machen der Madonna Konkurrenz" in Giacomo Puccinis Oper "Tosca" oder daran erinnert, wie sein Gegenspieler, der Polizeichef Scarpio, die Sängerin Tosca mit "Tosca, du lässt mich Gott vergessen" anhimmelt.

Wahrscheinlich war es gerade diese Kombination aus mediengerechter Designerkunst und dem Charme der Unbeholfenheit von Lady Di, die sie auch für jene, die für ihre Lebensorientierung ikonenhafter religiöser Leitbilder bedürfen, zu einer attraktiven Gestalt machten. Moderne Heiligengeschichten müssen "massenmedienfähig und darum auch immer Bilder sein", urteilt der Leiter der Evangelischen Zentralstelle für Weltanschauungsfragen, Michael Nüchtern, denn die Glorifizierung Dianas zeige exemplarisch, wie "Massen und Medien eine Person in einen überirdischen Zustand erheben" könnten.[17]

Fußnoten

16.
Tatsächlich inspirierte der Tod von Diana den Schriftsteller Robert Menasse zu einem Märchenbuch über ihr Leben. Vgl. Robert Menasse et al., Die letzte Märchenprinzessin. Moderne Mythen, reale Märchen, Frankfurt/M. 1997.
17.
Vgl. Frankfurter Rundschau vom 26. August 1998.