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12.12.2008 | Von:
Ulrich Steuten
Hermann Strasser

Lady Di - Die moderne Madonna

Die Wohltäterin

Die Rolle eines Wohltäters lässt sich in verschiedener Weise ausfüllen. Man kann, wie es der amerikanische Medienmogul Ted Turner getan hat, den Vereinten Nationen demonstrativ eine Milliarde Dollar überlassen. Man kann - dies hat neben Anderen Mutter Teresa getan - systematisch ein verzweigtes Netzwerk karitativer Zentren aufbauen. Lady Diana ist in keiner dieser Formen philanthropischen Handelns hervorgetreten.

Sicherlich hat auch sie Stiftungen und Fonds ins Leben gerufen, denn sie war Präsidentin oder Schirmherrin von über hundert Wohltätigkeitsvereinen, doch ist ihr weltweites bürgerschaftliches Wirken den "kleinen Leuten" eher in einer anderen Weise im Gedächtnis geblieben. Marita Haibach hat diese "neue Dimension im wohltätigen Engagement" treffend beschrieben: "Sie zeigte echte Nähe, ehrliche Gefühle (...). Diana setzte sich auf das Bett von Todkranken, (...) während sich die anderen königlichen Besucher höchstens auf den Stuhl wagten, der neben dem Bett stand."[20] Wiederum sind es die menschlichen Züge der Prinzessin, die Abkehr vom distanzierenden Protokoll, Authentizität und Aufrichtigkeit ihrer Gefühle, die eine Identifikation mit ihr so wünschenswert machen. "Wer auch immer in Not ist, kann auf mich zählen", so steht es auf ihrem Schrein in Althorp.

Fußnoten

20.
Marita Haibach, Die drei Gesichter der Philanthropie, in: Frankfurter Rundschau vom 11. April 1998, S. 20.