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12.12.2008 | Von:
Ulrich Steuten
Hermann Strasser

Lady Di - Die moderne Madonna

Die Rebellin

Diana galt als unbequem - und war es, gemessen an den Ansprüchen der englischen Königsfamilie, wohl auch. Sie tat sich schwer mit der steifen Etikette am Hofe, besonders unter den wachsamen Augen von Queen Elisabeth. Das unnachgiebige höfische Zeremoniell mit seinen Empfängen und Besuchen, kurz der weltfremden aristokratisch-distinguierten Lebensführung, entsprach wenig ihrem Naturell. Diana litt unter den Spannungen zwischen ihren Neigungen und der Pflicht, die persönlichen Präferenzen auf dem Altar der Monarchie und deren moralischen Maßstäben opfern zu müssen.

Ihre Rebellion bestand darin, die Entzauberung der britischen Monarchie und speziell der Windsor-Familie eingeleitet zu haben. Tat sie dies anfänglich noch in harmloser Form, etwa indem sie in einer unprätentiösen Weise ihre Nähe zum gemeinen Volk zeigte und Momente ihres Privatlebens preisgab, so wurde sie im Laufe der Zeit mehr und mehr zu einer Art unbeauftragter Spionin des Volkes im Hause der Windsors. Zuletzt offenbarte sie das "in her own words", indem sie ihrem Biografen Andrew Morton eine öffentliche Beichte ablegte.[21] "Sie entsakralisierte die Institution des Königshauses, indem sie die königliche Familie als mehr oder minder durchschnittlich neurotische Kleinfamilie erscheinen ließ", wie es Rebekka Habermas auf den Punkt brachte.[22]

Fußnoten

21.
Allerdings räumt eine neue Biografie von Tina Brown (Diana - Die Biografie. München 2007) mit dem Mythos der "Königin der Herzen" auf und präsentiert sie keineswegs als Unschuldslamm. Sie entlarvt sie als hintertrieben und berechnend, auch wenn sie, wie die Biografin meint, trotz ihrer Hinterhältigkeit immer noch besser gewesen sei als alle um sie herum.
22.
Rebekka Habermas, The People's Princess. Heiligenverehrung und Marienkult, in: S. Berghahn/S. Koch-Baumgarten (Anm. 19), S. 112.