APUZ Dossier Bild

27.6.2008 | Von:
Astrid Zapf-Freudenberg

Alkohol am Arbeitsplatz

Betriebliche Suchtprävention lohnt sich. Durch Auseinandersetzung, Qualifizierungsmaßnahmen und niederschwellige innerbetriebliche Hilfsangebote entstehen Problembewusstsein und Veränderungsbereitschaft.

Einleitung

Alkohol am Arbeitsplatz ist ein altes und zugleich immer wieder neues Thema. Da gesellschaftliche Entwicklungen weder am Werkstor noch an der Eingangspforte des Betriebes enden, wird es wohl auch aktuell bleiben.






Der Baden-Württembergische Landesverband für Prävention und Rehabilitation (bwlv) ist ein Träger von ambulanten, stationären und komplementären Suchthilfeeinrichtungen und Integrationsfachdiensten für schwerbehinderte Beschäftigte. Zum Aufgabenfeld der Fachstellen Sucht gehören neben der Beratung, ambulanten Suchthilfe, Vermittlung in stationäre Therapie, Nachsorge und Einbeziehung von Selbsthilfegruppen, die Suchtprävention in verschiedenen gesellschaftlichen Bereichen, u.a. auch die betriebliche Suchtprävention.

Am Dienstort in Mannheim habe ich in den vergangenen zehn Jahren ein Netzwerk mit Betrieben im Rhein-Neckar-Dreieck aufgebaut. Gemeinsam mit der Stadt Mannheim veranstaltet dieses Netzwerk Fachtagungen. Es hat sich ein Runder Tisch der Suchtbeauftragten aus dem Rhein-Neckar-Gebiet gebildet, der sich vierteljährlich zum moderierten Erfahrungsaustausch trifft und sich regelmäßig fortbildet.

Die Fachstelle bietet Betrieben vielfältige Unterstützungsmöglichkeiten zum Thema Suchtprävention, Suchthilfe und Sozialberatung für ihre Beschäftigten.

Im betrieblichen sozialen Bereich lassen sich drei Hauptthemen identifizieren: Suchtprobleme, psychische Erkrankungen und private Überschuldung. Auf den Beratungs- und Hilfebedarf ihrer Beschäftigten reagieren Betriebe unterschiedlich. Insbesondere Großbetriebe nehmen Vollzeit- Sozialberatungsdienste in Anspruch. Das Thema "Alkohol" gehört aber zu den nicht gerade attraktiven betrieblichen Themen. So wird bei Veranstaltungen zur betrieblichen Suchtprävention stets die Frage laut: "Hat unser Betrieb tatsächlich alkoholabhängige Beschäftigte?" Die Reaktionen von Menschen in unterschiedlichen Funktionen zeigen, dass Information und Aufklärung zum Thema dringend notwendig sind. Die Personalleitung sowie Beschäftigte, die im Bereich der Arbeitssicherheit und des betriebsärztlichen Dienstes tätig sind oder dem Betriebsrat/der Mitarbeitervertretung angehören, verfügen bereits über entsprechende Informationen zum Ausmaß von Substanzproblemen im Betrieb und stehen mit ihren Wahrnehmungen oft genug allein da bzw. fordern keine Beratung zum Thema ein.

Suchttherapeuten aus Fachkrankenhäusern - so beispielsweise die ärztliche Leitung des bwlv Fachkrankenhauses Renchtal in Renchen bei Offenburg - sprechen davon, dass es in der Regel ca. acht bis zehn Jahre dauert, bis ein alkoholabhängiger Mensch in eine Suchttherapie vermittelt wird. Da stellt sich die Frage nach der Frühintervention, nach wirksamer Suchthilfe und Gesundheitsförderung im Betrieb. Oft genug wird erst gehandelt, wenn massive arbeitsvertragliche Verletzungen oder ein Unfall im Einzelfall auftreten: Es wird spät interveniert.

Der Pro-Kopf-Verbrauch an reinem Alkohol ist in den vergangenen Jahren in Deutschland zwar langsam, jedoch stetig gesunken. Deutschland befindet sich aber beim Alkoholkonsum der Bevölkerung nach wie vor in der europäischen Spitzengruppe. Je höher der Verbrauch ist, zu umso mehr Abhängigkeitserkrankungen und alkoholbedingten Folgeerkrankungen kommt es - neben anderen negativen Effekten. Das Alkoholproblem im Betrieb ist unauffälliger geworden. Betroffene agieren in der Regel verdeckter und heimlicher.

Alkoholkranke Beschäftigte haben eine größere Überlebenschance, wenn ihre Auffälligkeiten frühzeitig wahrgenommen werden und wenn entsprechend gehandelt wird. Die Betroffenen verfügen über ein Motiv, um suchttherapeutische Behandlung anzunehmen: den Erhalt ihres Arbeitsplatzes.

Die Einführung von Suchtpräventionsprogrammen scheitern oftmals an den Kosten. Der Nutzen wird dabei außer Acht gelassen. Die Unterstützung durch Berufsgenossenschaften, Krankenkassen, Kammern fallen in diesem Zusammenhang höchst unterschiedlich aus.

Um Suchtprobleme im Betrieb zu lösen, bedarf es eines umfassenden und langfristigen Vorgehens, das die Hilfe im Einzelfall als auch Organisations- und Personalentwicklung einschließt. Der Leitfaden der Deutschen Hauptstelle für Suchtfragen e.V. Hamm über die Qualitätsanforderungen der betrieblichen Suchtprävention ist für dort tätigen Akteure hilfreich und empfehlenswert.[1]

Ich umreiße im Folgenden die Grundzüge und Bausteine eines solchen umfassenden und langfristig angelegten Programms, das als Employee Assistance Programm (EAP) bekannt ist und unterschiedliche Ausgestaltungen annehmen kann.[2]

Fußnoten

1.
Vgl. Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen e.V. Hamm (Hrsg.), Qualitätsstandards in der betrieblichen Suchtprävention und Suchthilfe, in: Informationen zur Suchtkrankenhilfe, (2006) 1 (www.dhs.de.).
2.
Vgl. Reinhard Fuchs/Ludwig Rainer/Martina Rummel (Hrsg.), Betriebliche Suchtprävention, Göttingen 1998, S. 257ff.