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21.4.2008 | Von:
Judith Kerschbaumer
Evelyn Räder

In Arbeit bleiben - wieder in Beschäftigung kommen

Die Beschäftigungssituation älterer Menschen

Arbeitslosenquote und Beschäftigungsquote: Die Beschäftigungsquote der 55- bis 64-Jährigen in Deutschland ist in den vergangenen Jahren deutlich gestiegen (vgl. Schaubild 1 der PDF-Version):

Weil weniger Ältere aufgrund der positiven konjunkturellen Entwicklung ihren Job verloren haben, sinkt zwar seit Juli 2007 die Arbeitslosigkeit der Älteren stärker als die Arbeitslosigkeit insgesamt.[3] Der Anteil prekärer Beschäftigung hat sich aber bei den Älteren überdurchschnittlich erhöht. Dies ist die Folge einer Politik, die auf der Grundlage einer flankierenden Arbeits- und Sozialgesetzgebung die Arbeitsmarktintegration um jeden Preis betreibt und das Ziel einer dauerhaften und existenzsichernden Erwerbsarbeit für einen großen Teil der Erwerbslosen aufgegeben hat. Auch arbeiten Ältere jetzt zwar länger, sind aber auch überdurchschnittlich von Langzeitarbeitslosigkeit betroffen.[4] Zudem profitieren vom Aufschwung fast ausschließlich Bezieher von Arbeitslosengeld I (so genannte "Marktkunden"), kaum jedoch Langzeitarbeitslose bzw. so genannte "Betreuungskunden". Die Arbeitslosenquote Älterer und die aller Erwerbspersonen haben sich von 2006 bis 2007 unterschiedlich entwickelt (vgl. Schaubild 2 der PDF-Version). Hintergründe: Bis November 2007 sank die Arbeitslosenquote der 55- bis 65-Jährigen auf 11,8 Prozent.[5] Nach einer Bestandsprüfungsklausel im Rentenrecht[6] ist die Bundesregierung vom Jahre 2010 an verpflichtet, alle vier Jahre über die Entwicklung der Beschäftigung älterer Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer zu berichten und eine Einschätzung darüber abzugeben, ob die Anhebung der Regelaltersgrenze unter Berücksichtigung der Entwicklung der Arbeitsmarktlage sowie der wirtschaftlichen und sozialen Situation älterer Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer weiterhin vertretbar erscheint und die getroffenen gesetzlichen Regelungen bestehen bleiben können. Vor diesem Hintergrund ist die Verbesserung der Beschäftigungssituation älterer Menschen für die politische Rechtfertigung der "Rente mit 67" zentral. Ein Zusammenhang der gestiegenen Beschäftigungsquote bzw. der gesunkenen Arbeitslosenquote Älterer mit den Reformen am Arbeitsmarkt konnte jedoch bisher nicht nachgewiesen werden. Stattdessen beruht der Rückgang der Arbeitslosigkeit bei den Älteren zu einem bedeutenden Teil auf demografischen Veränderungen und darüber hinaus auf der starken Inanspruchnahme von Altersteilzeit und Erwerbsaustritten durch Vorruhestandsregelungen.[7] Es ist zu befürchten, das es sich um eine vorübergehende Entwicklung handelt, zumal der Beschäftigungszuwachs nach jüngsten Prognosen deutlich an Kraft verlieren und im kommenden Jahr sogar in einen geringen Rückgang umschlagen wird.[8] Vorsorglich wird ein Teil der älteren Erwerbslosen aus der Arbeitslosenstatistik herausgenommen.[9]

Fußnoten

3.
Vgl. Wilhelm Adamy, Die "Initiative 50plus" - Bilanz und Perspektiven, in: Gute Arbeit, (2007) 12, S. 20ff., hier: S. 21.
4.
Vgl. Böcklerimpuls, (2007) 16, S. 3. Quelle: Martin Brussig/Matthias Knuth/Sascha Wojtkowski, Erwerbstätigkeit im Alter: Altersspezifische Veränderungen und historische Entwicklung in Querschnittvergleichen, in: Altersübergangs-Report 2007.
5.
Vgl. BT-Drucksache 16/7447 S.5.
6.
Vgl. § 154 Abs.4 SGB VI.
7.
Vgl. Vgl. Ernst Kistler, "Demographischer Wandel, Arbeitsmarkt und Arbeitslosenversicherung", in: "Sozialstaat und demographischer Wandel - Herausforderungen für Arbeitsmarkt und Sozialversicherung", Wiesbaden 2005, S. 147ff., 152.
8.
Konjunkturprognose des Instituts für Makroökonomie und Konjunkturforschung in der Hans-Böckler-Stiftung (IMK) vom 18.3. 2008 für 2008 und 2009.
9.
Mit dem Siebten Gesetz zur Änderung des Dritten Buches Sozialgesetzbuch und anderer Gesetze (7. SGBIII-Änderungsgesetz - BT-Drucksache 16/7460) vom 25. Januar 2008 wurde §53 a Zweites Gesetzbuch Sozialgesetzbuch (SGB II) eingeführt: Wenn SGB II-Träger 58-Jährigen und älteren Erwerbslosen über 12 Monate keine Eingliederungsperspektive aufzeigen können, werden die betreffenden Arbeitslosen aus der Arbeitslosenstatistik gestrichen.