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6.2.2008 | Von:
Heribert Dieter

Der IWF auf dem Weg in die Bedeutungslosigkeit?

Schlussbemerkungen

Der IWF ist für die Regulierung der Weltwirtschaft von zentraler Bedeutung. In der außenpolitischen Debatte hat diese Institution in den vergangenen Jahren aber keine führende Rolle mehr gespielt. Andere wirtschaftspolitische Themen standen im Vordergrund. Beispielsweise wurde in Deutschland im Jahr 2007 intensiv über das Thema von Direktinvestitionen so genannter Staatsfonds gesprochen. Diese Diskussion zeigt, dass die Annahme, den Herausforderungen der Globalisierung könnte man ausschließlich auf der betriebswirtschaftlichen Ebene begegnen, blauäugig ist. Die Vernachlässigung der globalen Ordnungs- und Strukturpolitik in der europäischen Außenpolitik der jüngsten Vergangenheit war ein Fehler. Ein zukunftsfähiges Europa muss diesen Themen, insbesondere der internationalen Finanzpolitik, deutlich mehr Aufmerksamkeit entgegenbringen. Die Annahme, eine Institution wie der IWF und dessen Politik habe keine Auswirkungen auf die Wirtschaft in Europa, hat sich spätestens seit dem Entstehen großer staatlicher Investitionsfonds in Ostasien als falsch erwiesen. Es geht bei der Weiterentwicklung der Institution IWF nicht nur um Fragen der Gerechtigkeit und Fairness für Menschen in Entwicklungs- und Schwellenländern, sondern auch um die Zukunft der Globalisierung.

Soll der IWF auch in Zukunft eine wichtige Institution bleiben, bedarf es umfassender Reformen sowohl in Hinblick auf die Kreditvergabepolitik als auch hinsichtlich der Vertretung der Interessen von Entwicklungs- und Schwellenländern. Kosmetische Korrekturen, etwa eine leichte Anhebung der Stimmrechte asiatischer Länder ohne eine grundlegende Revision der Kreditvergabepolitik, werden den Bedeutungsverlust des IWF nicht aufhalten.