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6.2.2008 | Von:
Hansjörg Herr

Das chinesische Wechselkurssystem

Das chinesische Wechselkurssystem ist durch staatliche Eingriffe geprägt, die sich in eine gradualistische Reformstrategie einbetten. Die Wechselkursentwicklung, die durch Kapitalverkehrskontrollen und Devisenmarktinterventionen der chinesischen Zentralbank abgesichert ist, dient dieser Strategie.

Einleitung

China folgt einem graduellen Reformprozess, der im Jahre 1978 zwei Jahre nach den Tod von Mao Zedong und der Wahl von Deng Xioping zum politischen Führer Chinas begonnen wurde. Die Reformen leiteten einen der ökonomisch erfolgreichsten Prozesse nachholender Entwicklung sowie Transformation von einer Plan- in eine Marktwirtschaft ein. Mit durchschnittlichen jährlichen Wachstumsraten des Bruttoinlandsproduktes (BIP) von fast zehn Prozent konnte das Pro-Kopf-Einkommen, nicht zuletzt unterstützt durch die Ein-Kind-Politik, die ebenfalls 1978 beschlossen wurde, im Durchschnitt über acht Prozent ansteigen. Bei einem internationalen Vergleich der Pro-Kopf-Einkommen liegt China derzeit deutlich über Ländern wie Vietnam, Indien oder Indonesien, aber auch deutlich unter Ländern wie Mexiko, Brasilien oder der Türkei.[1] Nimmt man den Indikator der Weltbank für absolute Armut von einem Einkommen von weniger als einem US-Dollar pro Tag, dann konnte China die Armut von rund 50 Prozent der Bevölkerung Anfang der 1980er Jahre auf unter 15 Prozent im Jahre 2004 reduzieren. Die Reduzierung fand vor allem in den 1980er Jahren statt und verlangsamte sich danach deutlich.[2] Schuld an der enttäuschenden Abnahme der Armut während des letzten Jahrzehnts ist drastisch zunehmende Ungleichheit der Einkommensverteilung in China.






Die chinesische Entwicklung wurde von zwei Wachstumsmotoren angetrieben, den hohen Investitionen und den steigenden Exporten. Investitionen wurden einerseits von den Staatsunternehmen stimuliert, die bis heute den Sektor der Großindustrie dominieren und privilegierten Zugang zu Krediten des Bankensystems haben, das sich ebenfalls in staatlichem Eigentum befindet. Andererseits sind die Investitionen des privaten Unternehmenssektors hoch, der weitgehend aus kleinen und mittleren Unternehmen besteht und zu einem großen Teil aus Neugründungen von Unternehmen hervorgegangen ist. Die ausländischen Direktinvestitionen unterstützen den Wachstumsprozess durch den Transfer von Technologien, neuen Managementmethoden und der Eröffnung von Exportkanälen.[3] China folgt einer exportorientierten Wachstumsstrategie, die bei steigenden Exporten Leistungsbilanzüberschüsse anstrebt. Betrugen die Exporte und Importe im Jahre 1979 jeweils etwa fünf Prozent am chinesischen BIP, so stiegen diese Werte in den letzten Jahren auf über 30 Prozent an.[4] Damit sind wir beim Thema dieses Beitrags.

Fußnoten

1.
Von 1978 bis 2005 stieg das reale BIP mit einer durchschnittlichen jährlichen Wachstumsrate von 9,6 Prozent, die Bevölkerung wuchs im gleichen Zeitraum mit jährlich durchschnittlich 1,1 Prozent und das reale Pro-Kopf- BIP um jährlich durchschnittlich 8,5 Prozent. Vgl. Barry Naughton, The Chinese Economy. Transition and Growth, Cambridge, MA 2007, S. 140 und 226.
2.
Vgl. Martin Ravallion, Shaohua Chen, China's (Uneven) Progress Against Poverty. World Bank Policy Research Working Paper 3408, Washington, D. C. 2004.
3.
Vgl. Hansjörg Herr, Mit regulierter Marktwirtschaft auf Erfolgskurs, in: Orientierungen zur Wirtschafts- und Gesellschaftspolitik, 101 (2004) 3, Ludwig-Erhard-Stiftung, Bonn 2004, S. 57 - 62; Ders., Tastendes Suchen. Chinas erfolgreicher Reformprozess, in: Internationale Politik und Gesellschaft, (2002) 3, S. 26 - 49.
4.
Vgl. B. Naughton (Anm. 1), S. 378.