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18.1.2008 | Von:
Stefan Immerfall
Hermann Kurthen

Die transatlantische Wertegemeinschaft im 21. Jahrhundert

Trotz Kritik am Irakkrieg ist keine dauerhafte Schädigung der transatlantischen Beziehungen eingetreten. Der Beitrag widerspricht der Behauptung, Antiamerikanismus sei in Deutschland weit verbreitet.

Einleitung

Eine Vielzahl von Kommentatoren, Journalisten und Autoren haben die Auswirkungen auf die europäisch- und deutsch-amerikanischen Beziehungen im Vorfeld des Irakkrieges und unmittelbar danach analysiert. Es ist jetzt schon offensichtlich, dass sich viele davon als kurzsichtig erwiesen haben.[1] Das gilt beispielsweise für neokonservative Strategien, welche eine schnelle und nachdrückliche Demokratisierung des Nahen Osten voraussahen und damit ein "Neues Amerikanisches Jahrhundert" einläuten wollten. Stattdessen hat Amerikas Politik seinen Einfluss und sein Ansehen in einem Maße geschwächt, das seine Verbündeten ernsthaft besorgt machen sollte. Auch eine irreparable Schädigung transatlantischer Bande hat nicht stattgefunden, trotz der tiefen Risse, die zwischen der US-Regierung und vielen ihrer europäischen Verbündeten zu Tage getreten sind. Gerade die nach der Ausrufung des "War on Terror" ins Amt gekommenen europäischen Politiker Angela Merkel und Nicolas Sarkozy bemühen sich um die transatlantischen Beziehungen, während die schwache US-Regierung von George W. Bush am Ende ihrer Amtszeit für jede Unterstützung dankbar sein muss.










Welche langfristigen Auswirkungen und Schäden von der Bush-Regierung verursacht wurden, ist noch nicht absehbar. Trotz - aber vielleicht auch wegen - des Irakkriegs ist die islamistische Bedrohung eher größer als kleiner geworden. Selbst eine Supermacht tut sich schwer, die immensen Kriegskosten zu schultern, finanziell wie psychologisch. Welche Lehren lassen sich aus den jüngsten transatlantischen Auseinandersetzungen für die Zukunft speziell der Beziehungen zwischen Deutschland und den USA ziehen?

Fußnoten

1.
Der Aufsatz beruht auf einem Forschungsprojekt, dessen Ergebnisse in Hermann Kurthen/Antonio V. Menéndez-Alarcón/Stefan Immerfall, Safeguarding German-American Relations in the New Century: Understanding and Accepting Mutual Differences, Lanham, Maryland 2006, veröffentlicht wurden und das durch das StADaF (DAAD, New York) gefördert wurde.

Die Zeit, Nr. 35 vom 23.08. 2007 hat verdienstvollerweise einige der bekanntesten Aussagen führender Intellektueller zu Beginn des Irakkieges aufgelistet. Eine Rückschau wie diese sollte Anlass zu mehr Bescheidenheit bei der Zunft der politischen Analytiker sein.