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10.1.2008 | Von:
Katrin Vohland
Ulrike Doyle
Wolfgang Cramer

Der Einfluss von Klimaveränderungen auf die Biodiversität

Die beobachteten und projizierten Klimaveränderungen beeinflussen die Biodiversität auf verschiedenen Ebenen. Der Schutz von Biodiversität sichert nicht nur künftige Lebensgrundlagen, sondern reduziert auch den Einfluss des Klimawandels.

Einleitung

Biodiversität ist ein abstrakter Begriff und bezeichnet doch all das Lebendige in seiner Vielfalt, was uns umgibt, also unsere natürlichen Lebensgrundlagen. Biodiversität kann auf verschiedenen Ebenen betrachtet werden, ausgehend von der genetischen Vielfalt, welche die Grundvoraussetzung für Evolution ist, der Artenvielfalt und der Vielfalt von Ökosystemen. Das UN-Übereinkommen über die biologische Vielfalt (CBD) nennt drei Ziele: neben dem Erhalt der biologischen Vielfalt selbst sind deren nachhaltige Nutzung sowie die gerechte Aufteilung der sich aus der Nutzung der genetischen Ressourcen ergebenden Vorteile ebenbürtig. Der enge Bezug zur menschlichen Lebenswirklichkeit zeigt sich auch darin, dass ein ganzheitlicher Ansatz verfolgt wird, der so genannte ökosystemare Ansatz, der auf ökologischer Grundlage ökonomische und soziale Interessen integrieren soll.














Biodiversität ermöglicht nicht nur menschliches Leben, sondern ist auch durch menschliche Aktivitäten bedroht. An erster Stelle der gefährdenden Einflüsse steht fast überall der Landnutzungswandel, also die Umwandlung natürlicher Ökosysteme in land- und forstwirtschaftliche Anbausysteme, Städte, Straßen oder Müllplätze. Die damit verbundene Verringerung des Lebensraumes, die Nährstoffbelastung durch Stickstoff und Phosphor und die Fragmentierung von Lebensräumen und der darin lebenden Populationen stellen die größte Bedrohung für die natürliche biologische Vielfalt dar. Erschwerend kommt nun der Klimawandel hinzu, der natürliche Ökosysteme zwingt, sich an schnell wandelnde Bedingungen anzupassen, obwohl diese häufig bereits so geschädigt sind, dass sie sich nicht in ihrer vollen Funktionalität an die veränderten Umweltbedingungen anpassen können.

Die Funktionalität von Biodiversität bezieht sich zum einen auf Prozesse, die innerhalb von Ökosystemen ablaufen und für ihre Existenz wichtig sind. Dazu gehören z.B. der Aufbau von Biomasse, das Bestäuben von Blüten zur Fruchtbildung und der Abbau von Streu. Zum anderen beschreiben die so genannten "ökosystemaren Dienstleistungen" Funktionalitäten in Bezug auf den Menschen. Biomasse wird als Nahrung, Energie und Quelle für Konstruktionsmaterial genutzt. Die Vegetationsdecke reguliert z.B. die Wassermenge und -qualität sowie das Mikroklima. In einigen Gebieten, insbesondere auf der Südhalbkugel, sind diese ökosystemaren Dienstleistungen bereits durch den Klimawandel beeinträchtigt, und die Menschen leiden unter Wassermangel, Überflutungen und Hunger. Der Schutz von Biodiversität muss daher eine stärkere Bedeutung in Politik und Öffentlichkeit erhalten und sinnvoll mit Maßnahmen zum Klimaschutz und zur Anpassung an den Klimawandel verbunden werden.