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11.9.2009 | Von:
Susanne Güsten

Die Kurdenfrage in der Türkei

Wirtschaft

Die kurdischen Siedlungsgebiete gehören zu den ärmsten des Landes. Unter Berücksichtigung der Kaufkraft wies die Türkei 2007 ein durchschnittliches Pro-Kopf-Einkommen von etwas unter 10.000 US-Dollar im Jahr auf; die 24 Provinzen im Nordosten, Osten und Südosten des Landes, die das Hauptsiedlungsgebiet der Kurden darstellen, kamen aber nur auf Durchschnittseinkommen von 3600 bis 5300 US-Dollar.[8]

In den langen Jahren des Krieges in Ostanatolien ist vielerorts das wirtschaftliche Gefüge zerstört worden. Die Räumung von Tausenden Dörfern und die Umsiedlung vieler Menschen in die Städte haben zu einer hohen Arbeitslosigkeit geführt, die nach offiziellen Angaben im vergangenen Jahr bei 15,8 Prozent lag; im Landesdurchschnitt waren es elf Prozent.[9] Lokale Vertreter des religiös-konservativen Unternehmerverbandes MÜSIAD schätzen allerdings die tatsächliche Arbeitslosenrate in der Region auf etwa 50 Prozent.[10] Nach einer im vergangenen Jahr von der Zeitung "Radikal" veröffentlichten Umfrage müssen 52 Prozent der Kurden mit weniger als 700 Lira (324 Euro) im Monat auskommen und gelten damit als extrem arm; in den Dörfern des Kurdengebiets lag dieser Anteil sogar bei 70 Prozent.[11] Millionen Kurden haben deshalb versucht, der hoffnungslosen Lage in ihrer Heimat durch Emigration in den wohlhabenderen Westen der Türkei oder nach Europa zu entfliehen. Vielfach verdingten sie sich als Bauarbeiter, Erntehelfer oder als ungelernte Arbeiter in anderen Branchen.

Fußnoten

8.
Vgl. Milliyet vom 1.4. 2007.
9.
Vgl. CNNTürk vom 8.5. 2009.
10.
Vgl. Milli Gazete vom 30.1. 2009.
11.
Vgl. Radikal vom 21. bis 27.12. 2008.