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11.9.2009 | Von:
Dirk Halm
Dietrich Thränhardt

Der transnationale Raum Deutschland -Türkei

Der Blick auf den Nationalstaat reicht nicht aus, um das Verhältnis zwischen der Türkei und Deutschland zu erfassen. Es gibt eine große Zahl durch die Zivilgesellschaften geknüpfter Netzwerke. Dieser transnationale deutsch-türkische Raum wirkt sich auf die Lebenswirklichkeit in beiden Ländern aus.

Einleitung

Transnationale Räume entstehen durch die Knüpfung von Netzwerken zwischen zivilgesellschaftlichen Akteuren. Grenzüberschreitende Kontakte werden damit nicht ausschließlich von staatlichen internationalen Akteuren getragen. Die Sozialwissenschaft geht davon aus, dass die Bedeutung transnationaler Räume wächst.[1]




Diese wachsende Relevanz ist plausibel, betrachtet man sowohl den grenzüberschreitenden Einsatz von Produktionsfaktoren (Kapital, Arbeit) und den Handel in Folge der fortschreitenden internationalen Arbeitsteilung als auch weitere Migrationsformen einschließlich des grenzüberschreitenden Tourismus. Hinzu kommt die rasante Entwicklung von Informationstechnologien, welche die Bedeutung räumlicher Entfernung für die Bildung von Netzwerken immer weiter reduzieren. Für das Ausmaß grenzüberschreitender Netzwerke ist von Bedeutung, wie ausgeprägt die Zivilgesellschaft ist.




Im Falle der Türkei und Deutschlands ist von einem ausgeprägten transnationalen Raum auszugehen: Die Arbeitsmigration aus der Türkei nach Deutschland, der daran anschließende Familiennachzug, Deutschland als lange Zeit wichtigster Handelspartner der Türkei, die Türkei als beliebtes Reiseziel der Deutschen - all dies deutet auf potenziell umfangreiche und differenzierte deutsch-türkische Netzwerke hin, die sich abseits der internationalen Beziehungen und jenseits politischer Steuerungsversuche entwickelt haben. Der vorliegende Artikel skizziert einige wichtige Netzwerke, die den deutsch-türkischen transnationalen Raum konstituieren und verweist auf deren Auswirkungen auf die Lebenswirklichkeit in der Türkei und in Deutschland.

Fußnoten

1.
Siehe zu diesen Themen Ludger Pries, Die Transnationalisierung der sozialen Welt, Frankfurt/M. 2008; Thomas Faist, The Volume and Dynamics of International Migration and Transnational Social Spaces, Oxford 2000.