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11.9.2009 | Von:
Dirk Halm
Dietrich Thränhardt

Der transnationale Raum Deutschland -Türkei

Deutsche in der Türkei

Reformen in der Türkei nach dem Militärputsch von 1980 in Richtung einer Abkehr vom etatistischen Wirtschaftsmodell und einer Öffnung zum Weltmarkt ermöglichten nicht zuletzt ein rasches Wachstum des Tourismussektors. Heute ist der Tourismus in der Türkei eine der wichtigsten Dienstleistungsbranchen. Rund 20 Millionen Touristen besuchen jedes Jahr die Türkei, womit sie zu den zehn weltweit bedeutendsten Reisezielen gehört. Die Deutschen stellen unter diesen mit rund vier Millionen Gästen die größte Gruppe.

Bei der Betrachtung der deutsch-türkischen Beziehungen steht in der Regel die Bundesrepublik als Migrationsziel für Menschen aus der Türkei im Vordergrund. Dabei wird oft übersehen, dass die intensiven bilateralen, wirtschaftlichen, zivilgesellschaftlichen und zwischenmenschlichen Beziehungen beider Länder auch dazu geführt haben, dass sich schätzungsweise zwischen 44.000 und 52.000 Deutsche dauerhaft in der Türkei niedergelassen haben. Die Anwesenheit des Großteils der heute in der Türkei lebenden Deutschen steht im Zusammenhang mit zwei deutsch-türkischen Entwicklungen: Zum einen hat das rasante Wachstum des Türkeitourismus das Land in den vergangenen Jahren auch für langfristige Aufenthalte insbesondere für Seniorinnen und Senioren interessant gemacht hat. Zum anderen hat die türkische Migration nach Deutschland mittelbar stark begünstigend auf die deutsch-türkischen Wirtschafts- und Handelsbeziehungen gewirkt und zusätzliche deutsche Geschäftsleute in die Türkei gelockt. Weiterhin haben im Rahmen binationaler Ehen deutsche Ehegatten in einigen Fällen die Remigration des Partners in die Türkei mit vollzogen. Aus diesen Gruppen rekrutieren sich die heute dauerhaft in der Türkei lebenden deutschen Residenten. Darüber hinaus lassen sich immer mehr Rentnerinnen und Rentner zeitweilig in der Türkei nieder; schätzungsweise 150.000 Deutsche überwintern jedes Jahr dort.

Die Ausübung der christlichen Religion war für die Deutschen in der Türkei lange schwierig, da der türkische Staat unabhängigen Glaubensgemeinschaften keinen Rechtsstatus zubilligt. Gleichwohl haben sich in Istanbul eine evangelische sowie eine katholische Kirchengemeinde gegründet, deren Einzugsbereich sich auf die gesamte Türkei erstreckt. Sie finanzieren sich weitgehend aus Spenden und Beiträgen. In den Räumen Izmir, Ankara und Antalya/Alanya arbeiten weitere deutsche Pfarrer. Eine Stärkung nichtstaatlicher Religionsgemeinschaften, die sich in der Türkei momentan abzeichnet, wird auch zu einer Verbreiterung des transnationalen Raums Deutschland-Türkei führen, indem dieser dann auch die christlichen Kirchen einbezieht.