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11.9.2009 | Von:
Dirk Halm
Dietrich Thränhardt

Der transnationale Raum Deutschland -Türkei

Wirtschaftsbeziehungen

Seit 1996 hat sich das bilaterale Handelsvolumen zwischen Deutschland und der Türkei fast verdreifacht und betrug 2007 24,8 Milliarden Euro. Zwischenzeitliche wirtschaftliche Krisen in der Türkei wie 1999 und 2001 konnten den langfristigen Wachstumstrend dabei nur kurzzeitig dämpfen. Zugleich hat die Türkei ihre wirtschaftlichen Beziehungen diversifiziert und Kontakte sowohl nach Europa, aber auch in den Nahen Osten und in die Nachfolgestaaten der Sowjetunion geknüpft. Wirtschaftlich ist die Türkei nicht mehr von Europa und von den Überweisungen der türkeistämmigen Auswanderer in Deutschland und anderen EU-Länder abhängig, wie dies noch in den 1960er und 1970er Jahren der Fall war. Unterdessen haben in Deutschland Türkeistämmige zahlreiche Unternehmen gegründet. Für 2004 wurde ihre Zahl mit 60.500 angeben. Seit dem Beginn der 1990er Jahre hat sich ihre Zahl verdoppelt. Diesem sprunghaften Anstieg der Selbständigenquote steht eine deutlich gesunkene Beschäftigungsquote der Gruppe gegenüber.[17] Die Gründung des eigenen Unternehmens ist offenbar für viele eine Strategie, die Folgen der Strukturkrise derjenigen Industrien zu bewältigen, für die in den 1960er und 1970er Jahren Arbeitskräfte angeworben worden waren. Für diese Gründungen sprachen die Marktnische der eigenen Landsleute als sicherer Kundenstamm, aber auch die Beziehungen zum Heimatland, die als soziales und kulturelles Kapital aktiviert werden konnten. Aus der Türkei bezogen die Unternehmer zudem ihre Waren. Inzwischen haben sich die türkischen Unternehmer in Deutschland in den drei Interessensverbänden ATIAD, MÜSIAD und TIDAF zusammengeschlossen.

Demgegenüber stellt Deutschland aber auch die größte Zahl der ausländischen Firmen, die in der Türkei Direktinvestitionen getätigt haben. Die Zahl deutscher Unternehmen bzw. türkischer Unternehmen mit deutscher Kapitalbeteiligung ist in den vergangenen Jahren nach Auskunft des Auswärtigen Amtes auf über 3100 gestiegen. Diese Aktivitäten werden dadurch begünstigt, dass die türkeistämmige Bevölkerung in Deutschland als eine Brücke zum türkischen Markt fungiert und deutschen Unternehmen den Zugang erleichtert.

Fußnoten

17.
Vgl. Institut für Mittelstandsforschung, Die Bedeutung der ethnischen Ökonomie in Deutschland. Push- und Pull-Faktoren für Unternehmensgründungen ausländischer und ausländischstämmiger Mitbürger (Kurzfassung), Mannheim 2005, S. 5ff.