APUZ Dossier Bild

16.7.2009 | Von:
Gerhard Paul

Kriegsbilder - Bilderkriege

Inszenierungen und Manipulationen

Kriegsbilder sind häufig genug auch Inszenierungen und Manipulationen. Ihr Ziel besteht darin, die existenzielle Grenzsituation Krieg mit einem manchmal dramatisierenden, manchmal entdramatisierenden Image zu überziehen, je nachdem auf welcher Seite der Front man sich befindet.

Spätestens seit dem Ersten Weltkrieg wird der Krieg für das Publikum regelrecht inszeniert, indem etwa Übungen als Abbildungen von Kampfhandlungen ausgegeben werden. Den Bildern sieht man dies nicht an. Nach Ansicht der Berliner Illustrirten Zeitung vermittelten "gestellte" Fotografien, wie sie genannt wurden, sehr viel eher "ein der Wirklichkeit entsprechendes Bild und erfüllen so die Aufgabe, dem Publikum einen richtigen Eindruck zu vermitteln".[7] Der Krieg wurde für die Kameras der Fotografen nun regelrecht inszeniert. Wegen ihrer großen erinnerungspolitischen Funktion sind vor allem Siegeshandlungen immer wieder für die Fotografen "gestellt" worden, so auch die berühmte Aufnahme Joe Rosenthals von der Pazifikinsel Iwo Jima oder die Fotografie Jewgeni Chaldejs vom Berliner Reichstag 1945. Erst das komponierte Bild hatte das Zeug, zu einem der wichtigsten patriotischen Zeichen der jeweiligen Gesellschaft zu werden.[8] Inszenierungen des Krieges finden wir zuhauf auch in den zeitgenössischen Wochenschauen. Ein Großteil der "Deutschen Wochenschauen" des Zweiten Weltkrieges besteht aus ihnen; dennoch müssen diese bis heute immer wieder als dokumentarische Spiegelungen des Krieges herhalten.

Fußnoten

7.
Berliner Illustrirte Zeitung vom 25.7. 1915.
8.
Vgl. Jost Dülffer, Iwo Jima. Die patriotische Siegesikone der USA, in: Gerhard Paul (Hrsg.), Das Jahrhundert der Bilder. Bildatlas 1: 1900 - 1949, Göttingen 2009, S. 674 - 681; Ernst Volland, Die Flagge des Siegers. Die Rote Fahne auf dem Reichstag, in: ebd., S. 714 - 721.