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Die europäische Großstadt: Version 3.0


5.6.2009
Die Großstadt der Zukunft ist - städtebaulich betrachtet - eine Transformation der Großstadt von gestern. Es wird ein analytischer Rahmen zur Diskussion von Chancen und Gefahren der Großstadt von morgen abgesteckt.

Einleitung



Alle sprechen von der Renaissance der Stadt, mal euphorisch, mal skeptisch, und meinen damit die (mittel-)europäische Großstadt, vor allem deren Zentrum. Die "Renaissance der Stadt" zeigt sich zuallererst an der Rückkehr besser verdienender Bürgerinnen und Bürger, manchmal Urbaniten genannt, in die Innenstädte - als Touristen, Bewohner, Werktätige und Kunden, aber auch an der Verbreitung fußgängerfreundlicher, attraktiv gestalteter öffentlicher Räume, die zu Erlebnisräumen und Bühnen der Selbstdarstellung dieser Urbaniten werden. Neue oder erneuerte Museen, große Ausstellungen, Musikevents, aber auch unzählige Ereignisse der Pop Culture ziehen erwartungsfrohe Menschen in die Innenstädte.






Doch was soll das heißen: Renaissance, Wieder-Geburt? Wo kommt die Großstadt her, wo geht sie hin? Die Entwicklung eines städtebaulichen Programms für die Großstadt von morgen setzt die Kenntnis der Großstadt von gestern voraus - nicht nur, weil der weitaus größte Teil der Großstadt von morgen heute schon gebaut ist, sondern auch, weil das Wissen um vergangene Visionen und Praktiken den Blick auf die Chancen und Gefahren der Entwicklung von morgen schärft. Die Thesen dieses Beitrags sind: Die europäische Großstadt ist ein sehr junges Phänomen, sie lässt sich in drei große räumliche Bereiche unterteilen: das Zentrum, die kompakten Stadterweiterungen und den suburbanen Raum. Die Gestaltung dieser drei Bereiche kann in drei große Phasen gefasst werden: die Zeit vor der Mitte des 19. Jahrhunderts bis zum Ersten Weltkrieg, die Zeit nach dem Ersten Weltkrieg bis in die 1970er Jahre und die Zeit seit den 1970er Jahren. In diesem Sinne erleben und gestalten wir heute die dritte Version einer Großstadt. Jede dieser großen Phasen hatte ihre Kultstädte: Großstädte, die als Vorbild galten und bewundert wurden.