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10.5.2009 | Von:
Silke Satjukow

Grenze 2000

DDR-Grenzübergangsstellen gen Westen waren militärische Bollwerke. Wer sie passieren wollte, stand unter Verdacht. Als der "antifaschistische Schutzwall" bröckelte, träumten Staatsschützer von einer High-Tech-"Grenze 2000".

Einleitung

Im Frühherbst 1989, pünktlich zum 40. Geburtstag des Arbeiter-und-Bauern-Staates, präsentierten Experten des Ministeriums für Staatssicherheit (MfS) dem Politbüro der Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands (SED) ein fulminantes Geschenk: eine auf modernster Technik basierende Grenzschleuse von Westen nach Osten und vice versa, mit einer rechnergestützten Abfertigung, wie es sie zuvor noch nie gegeben hatte. Von nun an, so frohlockten die Stasi-Leute, würden Fahndungen nicht mehr mit altertümlichen Zettelkatalogen bewältigt werden müssen, sondern mithilfe des raffiniert programmierten und zentral vernetzten Personalcomputers EC 1834.






Zwar standen der modernen Hochsicherheitsgrenze zwischen den beiden deutschen Staaten noch einige Hemmnisse im Weg, etwa, dass es einen kompatiblen Drucker brauchte, für dessen Anschaffung im Krisenjahr 1989 schlicht die Devisen fehlten. Doch schienen das nur Kleinigkeiten im Hinblick auf das hehre Ziel: In Zukunft würde kein noch so gewiefter Agent die Scheidelinie des Kalten Krieges mehr unbehelligt überschreiten können.[1]

Fußnoten

1.
Die folgenden Ausführungen beruhen im Wesentlichen auf der Auswertung von Gesprächen mit Zeitzeugen und der maßgeblichen Akten des Ministeriums für Staatssicherheit der DDR im Archiv der Bundesbeauftragten für die Unterlagen des Staatssicherheitsdienstes der ehemaligen DDR (BStU).