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1.5.2009 | Von:
Thomas Straubhaar
Michael Wohlgemuth
Joachim Zweynert

Rückkehr des Keynesianismus: Anmerkungen aus ordnungspolitischer Sicht

Angesichts der Krise kann nicht verwundern, dass der Geist des Keynesianismus wieder aus der Flasche gekrochen ist. Doch der Klassiker John Maynard Keynes wird vielfach falsch interpretiert.

Einleitung

In einem gerade heute wieder lesenswerten Beitrag "Der große Wirtschaftssturz von 1930" schrieb John Maynard Keynes (1883-1946): "Die Welt hat nur langsam begriffen, daß wir dieses Jahr im Schatten eines der größten wirtschaftlichen Zusammenbrüche der neueren Geschichte leben. Aber während sich der Mann auf der Straße jetzt dessen bewußt ist, was geschah, ist er, in Unkenntnis über das Warum und Woher, jetzt ebenso voll von vermutlich übertriebenen Ängsten, während ihm ein Maß an vernünftiger Furcht fehlte, als sich die ersten Störungen zeigten."











Keynes blieb Optimist, wenn er festhielt: "Wir sind ge-nauso fähig wie vorher, für jedermann einen höheren Lebensstandard zu sichern - höher, meine ich, verglichen mit etwa zwanzig Jahren vorher - und wir werden bald lernen, uns eine noch höhere Lebenshaltung zu leisten." Doch er merkte auch an: "Aber heute haben wir uns in einen riesigen Wirrwarr verstrickt, haben gefehlt in der Herrschaft über eine feinfühlige Maschine, deren Arbeitsweise wir nicht verstehen. Das Ergebnis ist, daß unsere Wohlfahrtsmöglichkeiten ins Leere laufen, vielleicht für eine lange Zeit."[1]

Fußnoten

1.
John Maynard Keynes, Der große Wirtschaftssturz von 1930, in: Politik und Wirtschaft, ausgewählte Abhandlungen von John Maynard Keynes, Tübingen-Zürich 1956 (erstmals 1930), S. 193f.