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1.5.2009 | Von:
Thomas Straubhaar
Michael Wohlgemuth
Joachim Zweynert

Rückkehr des Keynesianismus: Anmerkungen aus ordnungspolitischer Sicht

Angesichts der Krise kann nicht verwundern, dass der Geist des Keynesianismus wieder aus der Flasche gekrochen ist. Doch der Klassiker John Maynard Keynes wird vielfach falsch interpretiert.

Einleitung

In einem gerade heute wieder lesenswerten Beitrag "Der große Wirtschaftssturz von 1930" schrieb John Maynard Keynes (1883-1946): "Die Welt hat nur langsam begriffen, daß wir dieses Jahr im Schatten eines der größten wirtschaftlichen Zusammenbrüche der neueren Geschichte leben. Aber während sich der Mann auf der Straße jetzt dessen bewußt ist, was geschah, ist er, in Unkenntnis über das Warum und Woher, jetzt ebenso voll von vermutlich übertriebenen Ängsten, während ihm ein Maß an vernünftiger Furcht fehlte, als sich die ersten Störungen zeigten."











Keynes blieb Optimist, wenn er festhielt: "Wir sind ge-nauso fähig wie vorher, für jedermann einen höheren Lebensstandard zu sichern - höher, meine ich, verglichen mit etwa zwanzig Jahren vorher - und wir werden bald lernen, uns eine noch höhere Lebenshaltung zu leisten." Doch er merkte auch an: "Aber heute haben wir uns in einen riesigen Wirrwarr verstrickt, haben gefehlt in der Herrschaft über eine feinfühlige Maschine, deren Arbeitsweise wir nicht verstehen. Das Ergebnis ist, daß unsere Wohlfahrtsmöglichkeiten ins Leere laufen, vielleicht für eine lange Zeit."[1]

Keynes und die Keynesianer

Angesichts der Aktualität dieser Aussagen kann es nicht verwundern, dass der Geist des Keynesianismus wieder aus der Flasche gekrochen ist. Der Ruf nach ausladenden Konjunkturprogrammen stößt zunehmend auf offene Ohren. Schon im amerikanischen Wahlkampf überboten sich Republikaner und Demokraten mit Ideen, wie mit staatlichen Nothilfen die Wirtschaft vor dem Kollaps zu retten sei. Aber nicht nur in den USA, auch in Europa feiert der Keynesianismus eine Wiedergeburt. In Frankreich plädiert Präsident Nicolas Sarkozy ungeniert für eine von den Regierungen gelenkte Geldpolitik, für eine anti-zyklische Fiskalpolitik und eine (national-) staatliche Industriepolitik. Waren in Deutschland die Stimmen lange in der Minderzahl, die nach mehr Keynesianismus in der Wirtschaftspolitik gerufen haben, erhalten sie in jüngster Zeit stetig mehr Unterstützung. Aber je dramatischer die schlechten Konjunkturnachrichten werden, umso lauter werden die Forderungen, die Geldschleusen zu öffnen und mit einer aktiven Finanzpolitik das wirtschaftliche Wachstum zu stützen. Mancher reibt sich angesichts des plötzlichen Keynes-Revivals verwundert die Augen. Denn bis vor Kurzem galt Keynes als derjenige, dessen Staatsgläubigkeit ausufernde öffentliche Verschuldung, die hohen Inflationsraten sowie die steigende Arbeitslosigkeit der späten 1970er Jahre herbeigeführt habe und dessen Irrlehren in der modernen Wirtschaftswissenschaft zum Glück überwunden worden seien. Doch nun meinen viele, die heutige Krise habe die Neoliberalen vom Schlage eines Milton Friedman genau so gründlich widerlegt wie seinerzeit das Phänomen der Stagflation[2] die Keynesianer widerlegt zu haben schien.

Den heutigen Neokeynesianern muss man zunächst einmal zugute halten, dass sie im Vergleich zu früheren Ansätzen in ihrem Steuerungsanspruch um einiges zurückhaltender sind. Vordergründig akzeptieren sie für die lange Frist die Überlegenheit einer angebotspolitischen Agenda mit freien, deregulierten und privatisierten Märkten und einer Geldpolitik, die sich an nichts anderem als der Preisniveaustabilität zu orientieren hat. Es wird anerkannt, dass nachfrageorientierte Eingriffe nichts zu einem dauerhaft höheren Beschäftigungsniveau beitragen können. Genauso wird die für Generationen von Studentinnen und Studenten zum harten Pflichtstoff gehörende Phillipskurve (die eine unterstellte Beziehung zwischen Inflation und Beschäftigung beschreibt) modifiziert. Mit einer zu expansiven Geldpolitik werden langfristig nur höhere Inflationsraten und keine nachhaltigen Beschäftigungseffekte verursacht. Hintergründig aber geht es immer noch um big government, wie es mit der Forderung nach staatlicher Investitionslenkung bereits bei Keynes selbst angelegt ist. Im Rahmen einer neokeynesianischen Dreifaltigkeit sollen Notenbank, Regierung und Tarifpartner kooperativ den Konjunkturverlauf steuern. Im Deutschland der 1970er Jahre wurde mit dieser Politik einer "Globalsteuerung" von "Superminister" Karl Schiller experimentiert.

Bei aller mehr oder minder ausgeprägten Zurückhaltung bleiben auch noch die heutigen Neokeynesianer einer Spielart des Keynesianismus treu, die wenig damit zu tun hat, um was es Keynes eigentlich ging. So halten sie Rezepten die Treue, welche die Krise gerade wesentlich mit verschuldet haben. Soviel man heute von Keynes lernen kann, so skeptisch sollte man jenen Lehren begegnen, für die Keynes' Cambridger Kollegin Joan Robinson nur eine einzige Bezeichnung übrig hatte: Bastard Keynesianism. Angesichts der heutigen unkritischen Rückbesinnung auf keynesianische Rezepte sei mit aller Entschiedenheit festgestellt, dass es den Keynesianismus genau so wenig gibt bzw. je gegeben hat wie den Neoliberalismus, der von der öffentlichen Meinung heute so einhellig verteufelt wird.

Im Sinne einer fundierten Diskussion muss vielmehr innerhalb beider Lager zwischen unterschiedlichen Subströmungen differenziert werden. Im vorliegenden Beitrag wollen wir zunächst verschiedene Interpretationen eines Keynesianismus unterscheiden, von denen unserer Auffassung nach einige durchaus ein Comeback verdienen. Es erleben derzeit aber auch solche Spielarten ein Revival, die nach unserer Interpretation die Krise sogar mit verursacht haben. Um besser beurteilen zu können, inwieweit heute eine der Großen Depression der 1930er Jahre vergleichbare "keynesianische Situation" besteht, wollen wir uns anschließend näher mit dem "Warum und Woher" der aktuellen Krise beschäftigen. Dabei versuchen wir zu zeigen, dass auch und gerade die in den USA verfolgte vulgärkeynesianische Politik des (Staats- und Privat-)Konsums auf Pump das "riesige Wirrwarr" erst hat entstehen lassen. Und schließlich werden wir argumentieren, dass ausgerechnet einige der heute als "neoliberal" gebrandmarkten Grundprinzipien die aktuelle Krise hätten vermeiden oder mildern können und auch zur Vermeidung oder Milderung der unter gegenwärtigen Rahmenbedingungen schier unvermeidlichen künftigen Krisen einen wichtigen Beitrag leisten sollten.

Keynes ist tot, es lebe der Keynesianismus?

Der Umstand, dass seit John Maynard Keynes' Tod sehr unterschiedliche Interpretationen seiner Lehren kursieren, hat durchaus auch etwas damit zu tun, dass sich der Meister nicht sonderlich darum bemühte, seine Gedanken in unmissverständlicher Klarheit zu äußern. So schrieb Paul Samuelson, einer seiner berühmtesten "Schüler", über die 1936 erschienene General Theory of Employment, Interest and Money:[3] "Es ist ein schlecht geschriebenes, armselig aufgebautes Buch. (...) Blitze der Einsicht und Erleuchtung sind in langweilige Algebra eingestreut. (...) Wenn wir die Lektüre endlich geschafft haben, finden wir die Analyse einleuchtend und gleichzeitig neu. Kurz: es ist ein geniales Buch."[4] Nicht nur deshalb darf mit Fug und Recht bezweifelt werden, ob man sich je auf den "wahren Keynes" wird einigen können. Denn zusätzlich wechselte Keynes so häufig seine Meinungen, dass es sein akademischer Rivale Friedrich August von Hayek just bei der Publikation der General Theory aufgab, sich weiter mit dem Keynes'schen "Wirrwarr" auseinanderzusetzen.[5]

Innerhalb der Keynes-Interpretation lassen sich eine neokeynesianische und eine postkeynesianische Strömung voneinander unterscheiden, die sich jeweils in weitere Unterströmungen aufteilen. "Keynesianismus" bezeichnet eine Annäherung an den neoklassischen Mainstream in Form der "neoklassischen Synthese", die John Richard Hicks schon früh in Form des berühmten IS/LM-Schemas formuliert hat.[6] Bei Keynes selbst sind alle Wirtschaftssubjekte mit fundamentaler Unsicherheit konfrontiert. In der Neoklassik gibt es keine Unsicherheit, weil alle Individuen über vollständige Informationen verfügen. In der neoklassischen Synthese gibt es zwar Unsicherheit, sie bezieht sich aber nur auf die zukünftige Entwicklung der Zinssätze. Schon bald beherrschte diese Leseart die markoökonomischen Lehrbücher.

"Postkeynesianer" wiederum sind ein bunter Haufen dem Mainstream heftig widersprechender Ökonomen. Neben Marxisten und Anarchisten befinden sich hierunter auch radikale Subjektivisten wie der Hayek-Schüler George L. S. Shackle. Gerade im Werk des vom Mainstream ignorierten Shackle[7] kann man erkenntnistheoretisch fundiert wiederfinden, was schon Keynes zur Erklärung von dauerhafter Unterbeschäftigung und akuter Krise anführte: Radikale Unsicherheit der Investoren (aber auch der Konsumenten und Steuerzahler) über die Zukunft und ein dadurch angestachelter Herdentrieb könne die "animalischen Instinkte" (im Original animal spirits, in der deutschen Übersetzung etwas flach mit "Lebensgeister" wiedergegeben) der Akteure anfangs in irrationale Über- und Fehlinvestitionen stürzen. Vor allem der Keynes-Schüler und Postkeynesianer Hyman Minsky hat bahnbrechende Arbeiten zum Herdentrieb auf Finanzmärkten vorgelegt.[8] Sobald die tatsächliche "Grenzleistungsfähigkeit des Kapitals"[9] den überzogenen Ertragserwartungen nicht mehr folgen könne, entstehe extreme Verunsicherung, eine Art Schockstarre seitens der Akteure, die das Marktsystem in eine "Stockung" versetze, aus der keine endogenen Kräfte (Preisanpassungen) sobald heraushelfen könnten.[10]

In dieser Betonung der Rolle, welche die Unsicherheit für das Entstehen von Wirtschaftskrisen spielt, sehen wir den Kern dessen, was heute an der Keynes'schen Theorie wichtig ist. Aufgrund ihrer Unsicherheit orientieren sich die wirtschaftlichen Akteure häufig an den Handlungen ihrer Mitmenschen. Daraus resultiert regelmäßig ein Herdentrieb, der im Boom zu überzogenem Optimismus und in der Krise zu übertriebenem Pessimismus führt. Nicht zufällig setzt Keynes Krisentherapie in einer Situation an, in der eine pessimistische "Schockstarre" vorherrscht, so dass die wirtschaftliche Aktivität mehr oder weniger zum Erliegen kommt. Der Begriff, den Keynes für eine solche Situation prägte, zählte man für Jahrzehnte zur verstaubten Lehrbuchweisheit, während er heute wieder in aller Munde ist: "Liquiditätsfalle".

Eine Liquiditätsfalle ist dadurch gekennzeichnet, dass die Geldpolitik als Instrument zur Konjunkturbelebung ausfällt. Obwohl die Notenbank mit einem Zinssatz von nahe oder gleich Null (wie heute in den USA) Kredite nahezu kostenlos vergibt, will sich niemand zusätzlich verschulden. Konsum und Investitionen verfallen nicht mehr der süßen Verlockung "billigen Geldes". Verbraucher und Unternehmer wollen nicht heute kaufen oder investieren, wenn es morgen noch billiger werden könnte. Das lässt die Umsätze zurückgehen. Es wird auf Halde produziert. Als Folge wird die Produktion gedrosselt, und es entstehen neue Überkapazitäten. Die Arbeitslosigkeit beginnt zu steigen. Das wiederum dämpft noch einmal den privaten Konsum. Damit fällt der wichtigste Pfeiler der Konjunktur als Stütze der Binnennachfrage aus. Es kommt zu einer Depressionsspirale nach unten.

In der Liquiditätsfalle wird Geld gehortet statt ausgegeben. Es fließt in die Spekulationskassen statt in Transaktionen. Anleger wollen heute nicht einsteigen, weil mit Blick auf die derzeitige Nullzinsenpolitik die Notenbankzinsen in Zukunft nur noch in eine Richtung gehen können: nach oben. Wer also heute sein Geld in Zinspapiere anlegt, vergibt die Chance, später einzusteigen, wenn die Zinsen wieder steigen werden. Also wandert das Geld unters Kopfkissen statt in den Wirtschaftskreislauf. In der Liquiditätsfalle trifft zu, was John Maynard Keynes zu Zeiten der Großen Depression formulierte und in der Formulierung von Karl Schiller zum geflügelten Wort wurde: "Man kann die Pferde zum Brunnen führen, aber saufen müssen sie selber."[11]

Zu Recht wird in diesem Umfeld die Geldpolitik mit einem Strick verglichen: Man kann mit einem Seil einen Ball zurückbinden. Hingegen lässt sich kein Ball von einem Strick anschieben. Genauso kann eine Notenbank durch Zinserhöhungen einen Konjunkturaufschwung bremsen, sie kann ihn aber nicht durch Zinssenkungen auslösen. Da braucht es mehr: zumindest die Erwartung, dass Preise und damit auch die Zinsen steigen. Erreichen kann er dies nur, so lehrte Keynes, indem er durch staatliche Ausgabenprogramme selbst für Nachfrage und damit indirekt auch für neues Vertrauen in die Zukunft sorgt.

Es ist vor allem dieses Szenario, das die Aktualität der Keynes'schen Analyse bedingt. Insoweit Keynes hier unstreitig Erkenntnisse lieferte, die helfen können, schwere Wirtschaftskrisen schneller zu überwinden, ist das heutige Keynes-Revival zumindest zum Teil berechtigt. Würde es sich auf diesen Aspekt seiner Lehren konzentrieren, gäbe es wenig dagegen einzuwenden. Doch es deutet immer mehr darauf hin, dass wir gerade Zeuge eines wirtschaftspolitischen Paradigmenwechsels werden, das nicht nur auf ein partielles Keynes-Revival, sondern auf eine allgemeine Rückkehr des big government hinausläuft, wie wir es aus den 1960er und 1970er Jahren kennen. Gegen diesen "Vulgärkeynesianismus", dessen Anhänger im Zeitgeist des Machbarkeitswahns der 1960er und 1970er Jahre Keynes darauf reduzieren wollten, eine Anleitung für eine nach allen Regeln der Ingenieurskunst zu betreibende Globalsteuerung zu liefern, richtet sich unsere ordnungspolitische Kritik.

"Bastard-" und "Vulgärkeynesianismus"

Warum die Ingenieursphantasie der Globalsteuerung nie hat aufgehen können, haben Generationen von überwiegend neoklassischen Ökonomen seit den 1980er Jahren überzeugend begründet. In der akademischen Diskussion dürfte die "Revolution"[12] der Theorie rationaler Erwartungen am wirkungsvollsten gewesen sein. Demnach besteht, vereinfachend gesagt, ein von realwirtschaftlichen (Angebots-) Faktoren bestimmtes gesamtwirtschaftliches Gleichgewicht, an dem keynesianisch inspirierte Politiker nichts dauerhaft ändern können, da sie von rationalen Wirtschaftsakteuren durchschaut werden. Diese werden erkennen, dass den durch expansive Geldpolitik gestiegenen Nominallöhnen und Preisen keine realen und dauerhaften Änderungen der Marktbedingungen zugrunde liegen. Deshalb werden sie als Arbeitnehmer auch nicht mehr verbrauchen und als Unternehmer auch nicht mehr investieren. Expansive Geldpolitik wirkt bestenfalls kurzfristig, und das auch nur, wenn sie als Überraschung daherkommt. Denn andernfalls wird sie in den Tarifverhandlungen durch entsprechende Lohnforderungen antizipiert. Langfristig bleibt dann nur Inflation. Ähnlich verhält es sich bei expansiver Fiskalpolitik. Eine durch Verschuldung finanzierte Ausdehnung der Staatsausgaben wird von den Steuerzahlern durchschaut als einfache Verschiebung der eigenen Steuer- und Zinslasten auf spätere Perioden. Derlei Konjunkturprogramme mögen kurzfristig Strohfeuer entzünden - langfristig bleibt die verbrannte Erde der Staatsverschuldung und höherer Zinsen, die private Investitionen verteuern (crowding out).

Inflation und Verschuldung statt Wachstum und Beschäftigung: Das waren auch die empirisch demonstrierten Ergebnisse vulgärkeynesianischer Wirtschaftspolitik der 1960er und 1970er Jahre. Dies bedeutet aber nicht, dass Keynes' Theorie der Krisenerklärung hieran Schuld trägt. Umgekehrt kann man "keynesianisch" fragen, wie mithilfe einer Theorie rationaler Erwartungen die aktuelle Krise erklärt werden könnte - zumal sehr ähnliche Überinvestitionsblasen erst vor kurzer Zeit (Japan 1991, New Economy 2001) schmerzhaft geplatzt sind, so dass selbst eine Theorie adaptiver Erwartungen (Lernen aus Erfahrung), eine schwächere Form "rationaler Erwartungen", einiges zu erklären hätte. Eine neoklassische Theorie, die davon ausgeht, dass die Wirtschaftsakteure künftige Ereignisse (zumindest im Durchschnitt, und effizient kontrolliert durch scheinbar enorm informations-effiziente Kapitalmärkte) korrekt vorhersehen, mag das Versagen vulgärkeynesianischer Politiken theoretisch erklären können. Als Theorie rationaler Erwartungen wird sie aber durch die wiederkehrende Entstehung von Spekulationsblasen selbst empirisch widerlegt.

Deshalb verdienen einige wichtige Erkenntnisse von Keynes selbst wieder Beachtung, der darauf hinweist, dass eine reine Logik rationaler Wahl bei perfekt geräumten Märkten eine letztlich ebenso kühne Phantasie ist, wie die Vorstellung, man könne die Gesetze des Marktes und der "Leidenschaft des Gelderwerbs"[13] auf beliebige Weise ignorieren.[14] Soviel zum Grundsätzlichen. Nun zum Aktuellen und damit zur Frage des "Warum und Woher" der aktuellen Krise; oder: Sind wir in einer "keynesianischen Situation"?

Eine "keynesianische Situation"?

Die verschiedenen Kritiker von Keynes haben darauf hingewiesen, dass seine General Theory alles andere als "allgemein", sondern recht speziell sei.[15] Keynes versuchte, die "stillschweigenden Voraussetzungen" der neoklassischen Theorie (vor allem Vollbeschäftigung), die "nur selten oder nie erfüllt sind", sowohl zu relativieren als auch mit Staatshilfe herbeizuführen.[16] Dabei ging er freilich selbst von Voraussetzungen aus, die zum einen sehr spezifisch die Ausnahmesituation der Großen Depression nach 1929 beschreiben und über deren konkrete Auslöser zum anderen auch deutlich konkurrierende ökonomische Erklärungsmuster plausibel erscheinen.[17]

Der klassische Gelehrtenstreit über die Gründe der Großen Depression kann hier nicht rekapituliert und noch weniger entschieden werden. Interessant bleibt aber die Frage: Ist die damalige Weltwirtschaftskrise mit der heutigen vergleichbar? Diese Frage hat vielerlei Aspekte. Zum einen stellt sich die Frage der Dimension der Krise. Aus heutiger Sicht kann man den Vergleich zur Großen Depression nur als alarmistisch bezeichnen. Damals ging in den USA oder in Deutschland das Sozialprodukt um über 30 Prozent zurück, und von Arbeitslosigkeit waren jeweils mehr als 30 Prozent der Arbeitsbevölkerung betroffen. Ungeachtet dieser wohl heute kaum zu gewärtigenden Dimensionen könnten immer noch (a) die Auslöser, (b) die aktuellen Symptome und (c) die notwendigen Rettungsmaßnahmen der aktuellen Krise keynesianisch gedeutet werden.

Die Auslöser der Krise weisen zur "keynesianischen Situation" freilich am allerwenigsten Vergleichbarkeiten auf. Bekanntlich ging Keynes von einer Krisensituation aus, die in den frühen 1930er Jahren durch das Zusammentreffen von ängstlicher Unsicherheit sowohl der Konsumenten als auch der Investoren erklärt werden kann - und die nach der Börsenkrise durch den gewählten Policy-Mix aus kontraktiver Geld- und Fiskalpolitik und grassierendem Protektionismus zur Weltwirtschaftskrise geriet.

Die aktuelle Krise weist weitgehend ganz andere Vorzeichen auf. In den USA, wo die Krise ihren klar bestimmbaren Ursprung nahm, herrschte genau das Gegenteil: eine vor allem durch eine expansive Politik des billigen Geldes ermöglichte und von ausländischem (vor allem chinesischen) Kredit beförderte Konsum- und Investitionsneigung, die seitens der Privaten und des Staates zu Ausgaben reizte, die durch eigene Ersparnisse schon lange nicht mehr gedeckt waren. Die Verschuldungsquote der Privathaushalte der USA stieg von 1980 bis 2006 von 50 Prozent des Bruttosozialprodukts auf etwa 100 Prozent. Von einer mangelhaften Konsumneigung oder keynesianischem "Angstsparen" kann sicherlich keine Rede sein. Auch für die Staatsausgaben in den USA (und anderswo) galt schon lange das Motto: buy now, pay later. Beides bildete sich im enormen Leistungsbilanzdefizit der USA ab, in einem Verbrauch "auf Pump", der von ausländischen Krediten, also Kapitalimporten, finanziert wurde.

Im Ergebnis kann man - grob - festhalten, dass genau die Mittel und Wege, die nach (vulgär-) keynesianischer Rezeptur den Weg aus der Krise der 1930er Jahre führen sollten, diesmal den Weg in die derzeitige Krise geführt haben. Tatsächlich kann man zeigen, dass nicht nur und vielleicht nicht einmal vor allem "Marktversagen" den Weg in die aktuelle Krise gebahnt hat, sondern (ausgerechnet in den scheinbar "neoliberal" geprägten USA) eine überexpansive Politik nach (vulgär-) keynesianischem Muster. So unbestritten das Versagen vieler Marktteilnehmer besonders auf den Finanzmärkten auch ist, so wenig darf der Anteil des Staates an der Krise übersehen werden.[18]

Politikversagen als Auslöser der aktuellen Krise

Expansive Geldpolitik ist für Keynesianer des einfachen Makro-Lehrbuchs (noch einmal: mit Keynes selbst hat das nicht viel zu tun) ein probates Mittel, um die Volkswirtschaft wieder in ein Gleichgewicht zu bringen. Für neoklassische Protagonisten der "rationalen Erwartungen" ist dies bestenfalls nutzlos. Für "Österreicher" (z.B. Mises, Hayek[19]), aber auch für "Monetaristen" (z.B. Friedman[20]) ist die Überflutung mit Zentralbankgeld und Zirkulationskrediten (Geldschöpfung im Bankensektor) dagegen genau der kritische Auslöser von immer wiederkehrenden Über- und Fehlinvestitions-Blasen, die zwangsläufig schmerzhafte Krisen herbeiführen müssen.

Die aktuelle Krise scheint genau diese, monetäre Auslöser der Krise in den Mittelpunkt stellende, Theorie eindrucksvoll zu bestätigen. Das hat viel mit Politik, aber wenig mit Ideologie zu tun. Im Stile eines - gleichzeitig marktliberale Rhetorik vertretenden - "Bastardkeynesianers" (und in krassem Gegensatz zu den Empfehlungen eines Milton Friedman) flutete der amerikanische Notenbankpräsident Alan Greenspan die Märkte immer dann mit Liquidität, wenn ein Abschwung zu befürchten war. Dabei war es spätestens nach der New Economy-Blase offenkundig, dass die überhitzte und überschuldete US-amerikanische Volkswirtschaft eine "Reinigungskrise" (im Sinne Schumpeters[21]) hätte durchlaufen müssen, um notwendige Strukturanpassungen zu vollziehen. Der Umstand, dass die Ausweitung der Geldmenge (dank billiger Importe nicht zuletzt aus dem künstlich abwertenden China) nicht auf die Verbraucherpreise durchschlug, schien diese Strategie zunächst zu bestätigen.

Aber zusätzliche Liquidität versickert in einer Volkswirtschaft nicht einfach. Und es war kein Zufall, dass sie vor allem in den US-amerikanischen Immobilienmarkt floss, von dem die Krise dann auch ihren Ausgang nahm. Es gehörte zum sozialpolitischen Traum des Roosevelt'schen New Deal, auch jenen Amerikanern zu einem eigenen Heim zu verhelfen, die sich das eigentlich gar nicht leisten konnten. Dafür wurden die halbstaatlichen Banken Fannie Mae (1938) und Freddie Mac (1968) geschaffen; und dafür wurden Risikokredite auf vielfältige Weise staatlich gefördert. Beides, der Versuch, notwendige Strukturanpassungskrisen durch eine expansive Geldpolitik zu verhindern und ein staatliches Sozialbeglückungsprogramm gegen die Logik der Märkte zu verwirklichen, schuf erst jenes Umfeld, in dem private Akteure gehörig dazu beitragen konnten, dass Keynes' Depressionstheorie sich heute wieder steigender Beliebtheit erfreuen darf. Festzuhalten aber ist: Ausgelöst wurde diese Krise zu einem beträchtlichen Teil durch politische animal spirits, durch Konzepte, die wohl kaum im Sinne des pragmatischen Ökonomen John Maynard Keynes waren, durchaus aber im Sinne vieler Vulgärkeynesianer.

Und mehr noch: Als hätte man aus den Fehlern keynesianischer Politik nichts gelernt, lässt man in den USA heute wieder die alten Geister aus der Flasche. Mit der Politik des billigen Geldes, welche die massiven Ausgabenprogramme der US-Regierung begleitet, werden genau jene Rezepte erneut als Therapie angewendet, die ursprünglich Auslöser der Krise waren. So ist die nächste Blase nur eine Frage der Zeit. Das Leben auf Pump geht weiter. Der Kaufrausch findet neues, billiges Geld. Die Inflationserwartungen steigen. Irgendwann müssen die Zinsen erhöht werden, um den Inflationsdruck zu senken. Die nächste Krise ist damit vorprogrammiert.

Gegen diesen Vulgärkeynesianismus ließe sich somit zum Teil mit Keynes selbst sowie mit Teilen des Postkeynesianismus argumentieren. Aus den anderen Lagern könnten schließlich die Theorie rationaler Erwartungen[22] oder andere Varianten der Neoklassik ins Feld geführt werden, die seit den 1980er Jahren dafür gesorgt haben, dass Keynes wenigstens innerhalb des ökonomischen Mainstreams for the long run dead zu erklären sei. Wir freilich glauben, dass es gerade innerhalb des ursprünglichen Neoliberalismus Ansätze gibt, die hätten helfen können, diese Krise zu vermeiden und deren Befolgung für die künftige Stabilisierung einer marktlichen Ordnung von ganz zentraler Bedeutung ist.

"Neoliberale" Alternativen

Wie für den Keynesianismus, so gilt auch für den Neoliberalismus: "Ismen" sind oft vereinfachende und nicht selten bösartige Zuschreibungen der anderen Seite. Innerhalb des Neoliberalismus muss vor allem zwischen den Lehren der Chicago School um Milton Friedman und dem deutschen Neoliberalismus eines Walter Eucken oder Wilhelm Röpke unterschieden werden. Während die "Chicago boys" als Reaktion auf Keynes tatsächlich einen weitgehenden Rückzug des Staates aus der Wirtschaft befürworteten, verstanden die deutschen Neoliberalen ihr Gesellschaftskonzept ausdrücklich als eine Art "dritten Weg" jenseits von Laisser-faire-Kapitalismus und Sozialismus. Auch ihre Ideen entstanden unter dem Eindruck der Großen Depression. Und Röpke demonstrierte in seinen konjunkturtheoretischen Schriften der frühen 1930er Jahre,[23] dass man auch auf Grundlage der von Hayek und Mises begründeten Österreichischen Konjunkturtheorie zu der Erkenntnis gelangen konnte, dass im seltenen Fall einer "sekundären", sich aufgrund pessimistischer Erwartungen selbst verstärkenden Krise nur staatliche "Initialzündungen" den Weg aus der Krise weisen könnten.

Anders als Keynes hüteten sich die deutschsprachigen Neoliberalen aber, aus einem Ausnahmeszenario gleich eine General Theory ableiten zu wollen. In einem waren sie sich mit Keynes indes einig: dass sich selbst überlassene Märkte durchaus nicht unter allen Umständen zu Stabilität und Selbstregulierung neigen. Das bedeutete für sie aber nicht, dass der Wirtschaftsprozess der permanenten wirtschaftspolitischen Lenkung oder gar einer "ziemlich umfassenden Verstaatlichung der Investition"[24] bedürfe. Vielmehr solle der Staat der Wirtschaft durch klare und transparente Regeln einen Ordnungsrahmen vorgeben, innerhalb dessen er den privaten Akteuren freie Hand lassen müsse. Die wichtigste Maxime, an der sich ein solches Regelwerk zu orientieren habe, so Walter Eucken, sei das Haftungsprinzip: "Wer den Nutzen hat, muss auch den Schaden tragen. (...) Investitionen werden umso sorgfältiger gemacht, je mehr der Verantwortliche für diese haftet. Die Haftung wirkt insofern also prophylaktisch gegen die Verschleuderung von Kapital und zwingt dazu, die Märkte sorgfältig abzutasten."[25]

Mehr noch als Keynes[26] sahen die Neoliberalen den Markt tatsächlich als "feinfühlige Maschine", als spontane Ordnung, deren "Gleichgewicht" nicht davon bestimmt wird, ob die Regierung grobschlächtige Hebel makroökonomischer Variablen umzulegen versucht, sondern eher davon, welche Zukunftserwartungen Individuen haben, wie viel Vertrauen sie in ihre Transaktionspartner im Moment und in die Ordnungsregeln auf Dauer haben können.

Nicht die viel kritisierte "Gier" der Bankmanager an sich war der entscheidende Grund für die Krise; sondern die Möglichkeit, Risiken zu verschleiern und zu verschieben. So wurde das Prinzip "Haftung" in den USA durch eine verhängnisvolle Mischung aus geldpolitischer Expansion, sozialpolitischem Dirigismus und laxer Regulierung der Kapitalmärkte außer Kraft gesetzt. Solche Krisen können künftig nur verhindert werden, indem der Staat der Wirtschaft eine Ordnung gibt, die für Transparenz sorgt und Fehlanreize minimiert, und sich ansonsten Eingriffen in den Wirtschaftsprozess so weit wie möglich enthält. Dazu gehört auch, die Geldmenge am Produktionspotential auszurichten und keine Sozialpolitik gegen die Gesetze des Marktes zu betreiben.

Die Lehren des John Maynard Keynes werden uns vielleicht kurzfristig helfen können, die derzeitige Krise zu mildern. Ihre Ursache aber ist weit eher in vulgärkeynesianischen Verwerfungen zu suchen als in neoliberalen Vorgaben. Es ist dringend erforderlich, dass sich alle beteiligten Akteure auf ordnungspolitische Grundsätze rückbesinnen, um solchen konstituierenden Prinzipien der Marktwirtschaft wie persönliche Haftung, stabiles Geld und verlässliche Politik wieder zu jener Geltung zu verhelfen, ohne die eine freie Marktwirtschaft langfristig nicht lebensfähig ist.
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Fußnoten

1.
John Maynard Keynes, Der große Wirtschaftssturz von 1930, in: Politik und Wirtschaft, ausgewählte Abhandlungen von John Maynard Keynes, Tübingen-Zürich 1956 (erstmals 1930), S. 193f.
2.
Anm. d. Redaktion: "Stagflation" ist eine Wortschöpfung, die sich aus den Begriffen Stagnation und Inflation zusammensetzt. Sie bezeichnet eine wirtschaftliche Rezessionsphase, während der die Preise steigen.
3.
Vgl. John Maynard Keynes, Allgemeine Theorie der Beschäftigung, des Zinses und des Geldes, Berlin 1936.
4.
Paul A. Samuelson, Lord Keynes and the General Theory, in: Econometrica, 14 (1946) 3, S. 187-200, hier S. 188.
5.
Vgl. Friedrich August von Hayek, Hayek on Hayek. An Autobiographical Dialogue, hrsg. v. Stephen Kresge und Leif Wenar, London 1994, S. 90.
6.
Vgl. John R. Hicks, Mr. Keynes and the "Classics". A Suggested Interpretation, in: Econometrica, 5 (1937) 2, S. 147-159.
7.
Vgl. z.B. George L. S. Shackle, Epistemics and Economics. A Critique of Economic Doctrines, Cambridge 1972.
8.
Vgl. z.B. Hyman P. Minsky, Can "it" happen again? Essays on Instability and Finance, Armonk, NY 1982.
9.
J. M. Keynes (Anm. 3), Kap. 11. Unter der Grenzleistungsfähigkeit des Kapitals versteht Keynes den internen Zinsfuß, mit dem die erwarteten Erträge aus einer Investition dem Kaufpreis gleichgesetzt werden. Der entscheidende Punkt lautet nun, dass die erwarteten Erträge für Keynes (im Gegensatz zur neoklassischen Synthese) eine vornehmlich psychologische Größe sind, die aufgrund von Opitmismus- und Pessimismuswellen erratischen Schwingungen unterliegen.
10.
Vgl. ebd., Kap. 22.
11.
Das Originalzitat lautet: "We cannot, by international action, make the horses drink. That is their domestic affair. But we can provide them with water." John Maynard Keynes, Collected Writings, Vol. IX, S. 35f.
12.
Vgl. Preston J. Miller (ed.), The Rational Expectations Revolution, Cambridge, MA 1994.
13.
J. M. Keynes (Anm. 3), S. 316.
14.
Vgl. hierzu bereits ders., The end of laissez-faire, London 1926.
15.
Vgl. etwa bereits J. Hicks (Anm. 6); Joseph A. Schumpeter, John Maynard Keynes 1883-1946, in: American Economic Review, 36 (1946), S. 495-518.
16.
Vgl. J. M. Keynes (Anm. 3), S. 319.
17.
Vgl. z.B. noch eher "keynesianisch": John Kenneth Galbraith, The Great Crash: 1929, London 1955; deutlich "monetaristischer": Milton Friedman/Anna J. Schwartz, A Monetary History of the United States, 1867-1960, Princeton 1963; oder noch "marktliberaler": Murray N. Rothbard, America's Great Depression, Princeton 1963.
18.
Hierzu und zum Folgenden vgl. Michael Wohlgemuth, Asche auf ihrem Haupt, in: Internationale Politik, (2008) 12, S. 48-53. Die Finanzmärkte versagten vor allem bei der Bewertung verbriefter Kreditrisiken. Entscheidend für das Ausmaß der Krise dürfte die kurzfristige Refinanzierung langfristiger Verbindlichkeiten (sog. "Fristentransformation") über Zweckgesellschaften gewesen sein, die es erlaubten, bei minimaler Absicherung mit Eigenkapial maximale Eigenkapitalrenditen zu erzielen.
19.
Vgl. Ludwig von Mises, Die Ursachen der Wirtschaftskrise, Tübingen 1931; Friedrich August von Hayek, Profits, Interests and Investment, London 1939.
20.
Vgl. Milton Friedman, The Optimum Quantity of Money and other Essays, Chicago 1969.
21.
Vgl. Joseph A. Schumpeter, Die Wellenbewegung des Wirtschaftslebens, in: Archiv für Sozialwissenschaft und Sozialpolitik, 39 (1914/15), S. 1-32; ders., Theorie der wirtschaftlichen Entwicklung. Eine Untersuchung über Unternehmergewinn, Kapital, Kredit, Zins und den Konjunkturzyklus, Berlin 19979 (erstmals 1911).
22.
Vgl. Robert E. Lucas/Thomas J. Sargent, After Keyensian Macroeconomics, in: dies. (eds.), Rational Expectations and Econometric Practice, Cambrige 1978, S. 295-320.
23.
Vgl. Wilhelm Röpke, Krise und Konjunktur, Leipzig 1932.
24.
J. M. Keynes (Anm. 3), S. 319.
25.
Walter Eucken, Grundsätze der Wirtschaftspolitik, Tübingen 19906 (erstmals 1952), S. 279f.
26.
Vgl. J. M. Keynes (Anm. 1), S. 194.