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21.3.2009 | Von:
Piepenbrink, Johannes

Editorial

Die Region zwischen Schwarzem und Kaspischem Meer wird in Westeuropa vor allem als Krisenherd wahrgenommen. Zuletzt erschütterte der Augustkrieg 2008 zwischen Georgien und Russland die Weltöffentlichkeit.

Die bergige Region zwischen Schwarzem und Kaspischem Meer wird in Westeuropa vor allem als Krisenherd wahrgenommen. Insbesondere seit dem Zusammenbruch der Sowjetunion 1991 scheint Kaukasien, das so viele Volks- und Sprachgruppen beherbergt, wie kaum eine andere Weltgegend von vergleichbarer Größe, nicht zur Ruhe zu kommen. Während in den 1990er Jahren durch die beiden verheerenden Tschetschenien-Kriege vor allem Nordkaukasien, das zur Russischen Föderation gehört, im Mittelpunkt des medialen Interesses stand, konzentrierte sich die Aufmerksamkeit zuletzt auf den südlichen Kaukasus, der aus den drei unabhängigen Republiken Armenien, Aserbaidschan und Georgien besteht.

So rückte im August 2008 Georgien, dessen Fläche in etwa der Bayerns entspricht, schlagartig ins Blickfeld der Weltöffentlichkeit, als der Sezessionskonflikt um die Provinzen Südossetien und Abchasien in einem kurzen Krieg zwischen Georgien und Russland eskalierte. Die politische Bedeutung des "Augustkrieges" reichte vor allem deshalb weit über die Region hinaus, weil Georgien als engster Verbündeter der USA im Kaukasus gilt und Russland nicht davor zurückschrak, erstmals gegen einen souveränen Nachbarstaat militärisch vorzugehen, um seine Interessen in der Region zu verteidigen. Schnell war daher vom "Stellvertreterkrieg" die Rede.

Die Georgien in Aussicht gestellte Möglichkeit, in absehbarer Zeit der NATO beitreten zu können, wird von vielen Beobachtern seither noch kritischer gesehen. Gleichzeitig wurde (erneut) deutlich, dass für die "historisch gewachsenen" kaukasischen Konflikte noch mehr als für andere Krisen gilt, dass eine Schwarz-Weiß-Einteilung der Akteure unmöglich ist, auch wenn sich eindeutige Bewertungen zunächst anzubieten scheinen.