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21.3.2009 | Von:
Gemma Pörzgen

Aus den Augen - aus dem Sinn: Der Kaukasus in den Medien

Georgien im Mittelpunkt

Nach Einschätzung des Kaukasus-Experten Uwe Halbach wird Georgien in der deutschen Berichterstattung traditionell stärker beachtet als die übrigen Kaukasusländer. Während der größte Staat Aserbaidschan auch noch wegen seines Ölreichtums wahrgenommen werde, stoße das verarmte Armenien auf das geringste Interesse. Die besondere Aufmerksamkeit oder auch Sympathie für Georgien ist unter anderem dem langjährigen Präsidenten Eduard Schewardnadse geschuldet. Der frühere sowjetische Außenminister wurde mit seinem Wahlsieg 1995 für die deutsche Öffentlichkeit zum positiven Gesicht Georgiens - ein Bild, zum dem vor allem seine Rolle bei der deutschen Wiedervereinigung beitrug. Auch aufgrund seiner Freundschaft zu dem früheren Bundesaußenminister Hans-Dietrich Genscher und weil es an einer kritischen Berichterstattung vor Ort fehlte, wurde seine Präsidentschaft über Jahre in den deutschen Medien viel zu positiv bewertet. Als die georgische Opposition im November 2003 in der "Rosenrevolution" den Rücktritt Schewardnadses erzwang, wurde der politische Wandel in deutschen Medien wieder aufmerksam registriert. Nach der Revolution schien sich Georgien als Demokratie zunächst positiv zu entwickeln, und der zunehmende Konflikt mit Russland bediente als Kampf von "David gegen Goliath" ein einfaches Wahrnehmungsmuster.

Der langjährige Repräsentant der Heinrich-Böll-Stiftung in Tbilissi, Walter Kaufmann, beobachtete über Jahre die geschickte Öffentlichkeitsarbeit von Georgiens Präsident Michail Saakaschwili. Er spricht von einer "perfekten PR-Maschinerie" des fließend englisch sprechenden Staatschefs. Nur Beobachtern vor Ort sei aufgefallen, dass sich seine Reden für die georgisch sprechende Öffentlichkeit von seinen englisch gehaltenen Reden immer deutlicher unterschieden. Viele deutsche Journalisten, die zum ersten Mal nach Georgien gekommen seien, hätten sich geschmeichelt gefühlt, wenn sie in kürzester Zeit im Präsidentenpalast Einlass fanden. "Nirgendwo landet man so schnell beim Präsidenten wie in Georgien", so Kaufmann. "Saakaschwili weiß, wie man mit westlichen Journalisten und Medien umgehen muss."

Das zeigte sich auch zu Beginn des Georgien-Krieges, als Saakaschwili durch zahlreiche Interviews eine permanente Präsenz in den internationalen Medien zeigte. Auch die in Brüssel ansässige PR-Agentur Aspect Consulting trug dazu bei, dass sich zunächst die georgische Sicht des Krieges in den Redaktionen durchsetzen konnte. Sie bediente erfolgreich das Muster von "David gegen Goliath", so dass viele Medien den Krieg zunächst sehr vereinfacht vor allem als Konflikt zwischen Georgien und Russland darstellten. Je weniger Basiswissen in den Redaktionen vorhanden ist und je weniger Journalisten vor Ort Ereignisse miterleben, umso größer wird der Spielraum für die gezielte Manipulationen von Informationen durch PR-Agenturen oder Regierungen. So wurde erst im weiteren Kriegsverlauf deutlich, dass mit den Südosseten ja eine dritte Partei beteiligt war, welche die eigentliche Opferrolle einnahm. Der ossetische Star-Dirigent Waleri Gergijew war der einzige Prominente, der es schaffte, sich für das Anliegen seiner Landsleute in der internationalen Öffentlichkeit Gehör zu verschaffen. Das kleine Volk blieb als eigenständiger Akteur unter der Wahrnehmungsschwelle westlicher Medien, was aber auch dem schwierigen Zugang in das Gebiet geschuldet war, der von russischer Seite streng reglementiert wurde.