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5.3.2009 | Von:
Ayla Gürel

Eigentums- und Bevölkerungsfragen im geteilten Zypern

Bevölkerungstransfers

Die Teilung hatte drastische Konsequenzen für die demographische Lage, die Reise- und Niederlassungsfreiheit sowie die Besitzrechte der Zyprioten. 1974 betrug die Gesamtbevölkerung der Insel schätzungsweise 641 000 Einwohner, davon 506 000 (78,9 %) GZ, 118 000 (18,4 %) TZ sowie Ausländer. Infolge der Teilung wurde etwa ein Drittel der Bevölkerung zu Flüchtlingen. Fast alle der rund 162 000 griechisch-zypriotischen Bewohner des Nordteils flohen in den Süden, wo zuvor 344 000 GZ lebten. Im Gegenzug suchten fast alle der rund 48 000 TZ aus dem Süden Zuflucht im Norden, wo etwa 70 000 TZ lebten. Diese Bevölkerungstransfers haben dazu geführt, dass beide Inselteile heute ethnisch so gut wie homogen sind. 29 Jahre lang war es für Zyprioten nahezu unmöglich, sich zwischen dem Norden und dem Süden zu bewegen. Dies änderte sich im April 2003, als die türkisch-zypriotischen Behörden einseitig entschieden, Grenzübertritte zuzulassen.

Die Tatsache, dass 1974 fast ein Drittel der griechisch-zypriotischen und die Hälfte der türkisch-zypriotischen Volksgruppe vertrieben worden war und ihr Zuhause und ihr Eigentum verloren hatte, führte zu gewaltigen humanitären Problemen - insbesondere im Süden. Hier war die Situation aufgrund des plötzlichen Zustroms so vieler Vertriebener und mangelnder Unterbringungsmöglichkeiten schwieriger als im Norden. Dort empfanden die TZ den Umzug von zuvor drei auf jetzt 36 Prozent der Inselfläche als Freiraum. Die größte Herausforderung im Norden bestand darin, die zurückgebliebenen umfangreichen Ressourcen der GZ effizient und produktiv zu nutzen, was durch die unzureichende Zahl von TZ erschwert wurde. In den vergangenen drei Jahrzehnten fanden die Vertriebenen in beiden Inselteilen ihren Platz und passten sich weitgehend an ihre neue Umgebung an. Ihre Eigentumsansprüche sind jedoch bis heute ungeklärt.[2]

Seither hat sich das Leben auf beiden Seiten recht unabhängig voneinander entwickelt. Es bildeten sich zwei getrennte zypriotische Gesellschaften mit eigenem Staatswesen, eigener Wirtschaft und eigenen gesellschaftlichen Strukturen, was weitere Konflikte nach sich zog. Neben den aus den Bevölkerungstransfers von 1974/75 entstandenen Problemen ist der umstrittenste Punkt die Migration aus Drittländern nach Nordzypern, insbesondere aus der Türkei. Diese im Wesentlichen humanitären Probleme sind mit den politischen Aspekten der Teilung verwoben und deshalb nicht nur ungeklärt, sondern geradezu unlösbar geworden. Beide Seiten betrachten sie als zentrale Elemente einer Problemlösung. Hierzu gehören zum Beispiel Bizonalität, politische Gleichberechtigung, der politische und rechtliche Status der beiden Verwaltungen und ihre politische und rechtliche Relevanz bei der Bildung eines neuen zypriotischen Staates nach einer Lösung.

Fußnoten

2.
Es gibt keine fundierten, von beiden Seiten akzeptierten Zahlen über den Umfang des Eigentums. Das Privateigentum der GZ im Norden liegt zwischen 64 und 79 Prozent der Fläche. Im Süden sind etwa 14 bis 22 Prozent im Privatbesitz der TZ.