APUZ Dossier Bild

5.3.2009 | Von:
Ayla Gürel

Eigentums- und Bevölkerungsfragen im geteilten Zypern

Bevölkerungsentwicklungen

Im Hinblick auf die Bevölkerung hat sich seit 1974 viel verändert.[3] Heute leben etwas mehr als eine Million Menschen mit Staatsbürgerschaft oder ständigem Wohnsitz auf der Insel, davon 75 Prozent im Süden. Nach Schätzungen aus dem Jahr 2005 sind 86 Prozent der Bevölkerung im Süden Staatsbürger der Republik Zypern und 14 Prozent Ausländer. Eine Volkszählung im Norden ergab 2006 eine Einwohnerzahl von de jure 256 644, wovon etwa 69 Prozent (178 031) Staatsbürger der TRNZ und 31 Prozent (78 613) Ausländer sind. Darüber hinaus gibt es auf beiden Seiten eine ungesicherte Zahl illegaler Einwanderer. Auf der gesamten Insel macht der Anteil der Staatsbürger 81 Prozent der Bevölkerung aus. Das Verhältnis dieser Staatsbürger beträgt etwa 4:1 zwischen Süd und Nord und entspricht damit ungefähr dem Verhältnis von griechischen und türkischen Zyprioten im Jahr 1974.

Eine Aufschlüsselung nach Geburtsort der TRNZ-Bürger zeigt, dass 147 405 in Zypern geboren wurden (120 031 mit Eltern, die beide in Zypern geboren wurden, 10 361 mit einem Elternteil aus Zypern und einem aus der Türkei und 16 824 mit Eltern aus der Türkei), 27 333 haben ihren Geburtsort in der Türkei, und der Rest kam in anderen Ländern zur Welt. Die Anzahl der Bewohner ohne Staatsbürgerschaft ist in Nordzypern außergewöhnlich hoch. Der größte Teil davon sind Türken (70 525), die zumeist im Baugewebe und im Tourismus beschäftigt oder als Studenten an den sechs Universitäten der TRNZ eingeschrieben sind.

Die türkisch-zypriotischen Behörden und die türkische Regierung haben die Ansiedlung von Türken etwa bis 1980 gezielt gefördert. Die Einwanderer dieser Zeit erhielten sofort die Staatsbürgerschaft sowie griechisch-zypriotischen Besitz. Damit sollte die türkische Bevölkerung gestärkt und eine wachstumsfähige Wirtschaft im Norden aufgebaut werden. Etwa 20 000 Türken folgten diesem Ruf. Nach der Art und Weise, wie sie nach Zypern gebracht wurden, kann man sie als "Siedler" bezeichnen. Interne Spannungen und nicht zuletzt der internationale Druck aufgrund griechisch-zypriotischer Proteste führten in den frühen 1980er Jahren zu einem Ende dieser Privilegien und beendeten diese Politik. Seither kommen türkische Einwanderer auf eigene Initiative nach Nordzypern. Meist sind es Wirtschaftsmigranten, die zum Teil auch die Staatsbürgerschaft erwerben. Seit 2004 bemüht sich die türkisch-zypriotische Regierung um Maßnahmen zur Regelung der Einwanderung und Einbürgerung.

Bevölkerungs- und Eigentumsfragen im geteilten Zypern haben viele Facetten mit humanitären und gesetzlich-normativen Dimensionen. Die eigentliche Problematik liegt aber in ihrer Verwicklung in das, was die Zyprioten als politische Lösung betrachten. Bei einer Lösung, die den Übergang von der derzeitigen De-facto-Teilung zu einer "bizonalen Wiedervereinigung" mit all diesen Problemen meistern will, muss es sich wohl um einen pragmatischer Kompromiss handeln, wie der gescheiterte UN-Lösungsplan von 2004. Die Frage ist: Wie können beide Seiten in Zypern davon überzeugt werden, solch eine Lösung zu akzeptieren? Die Antwort ist nicht einfach. Der frühere griechisch-zypriotische Präsident Glafkos Kliridis brachte dies auf den Punkt: "Ebenso wie die griechischen Zyprioten wollten, dass Zypern ein griechisch-zypriotischer Staat mit einer geschützten türkisch-zypriotischen Minderheit sein sollte, unternahm die türkische Seite jegliche Anstrengung, dies zu verhindern und das Partnerschaftskonzept aufrecht zu erhalten, wie es das Zürcher Abkommen ihrer Meinung nach vorsah. Es ging also um einen Prinzipienstreit, und daher haben sich beide Seiten darauf eingestellt, weiter zu diskutieren, wenn nötig auch zu streiten und nicht nach Kompromissen zu suchen."[4]

Fußnoten

3.
Für eine umfassende Analyse siehe Mete Hatay, Is the Turkish Cypriot Population Shrinking, PRIO Report, (2007) 2; und ders. Beyond Numbers, PRIO Report, (2005) 4.
4.
Cyprus: My Deposition, Nicosia 1990, Band 3, S. 105. Übersetzung der Texte von Ayla Gürel, Yiannis Papadakis und Murat Ilican Erdal aus dem Englischen: Dorothee Pilavas/Dortmund.