30 Jahre Mauerfall Mehr erfahren
APUZ Dossier Bild

2.3.2009 | Von:
Christoph Links

Was blieb vom Leseland DDR?

Bibliotheken

Im Bibliotheksbereich verfügte die DDR über ein außergewöhnlich dichtes Netz, das jeder Bürgerin und jedem Bürger einen relativ problemlosen Zugang zu Büchern in seiner unmittelbaren Umgebung ermöglichte. Während die großen Zentralbibliotheken und dieWissenschaftlichen Allgemeinbibliotheken der Bezirke als Bestandszentren im Wesentlichen erhalten geblieben sind, wurden mindestens 25 Prozent der kleineren Bibliotheken geschlossen. Dies betraf vor allem Zweigbibliotheken in den Wohngebieten, Schul- und Betriebsbibliotheken sowie Gemeindebibliotheken. Bis 1993 erfolgte ein erster Personalabbau auf 65 Prozent des DDR-Bestandes.[14]

Gleichzeitig wurde mit finanzieller Unterstützung aus Bonn Anfang der 1990er Jahre eine erste Bestandserneuerung eingeleitet, was anschließend von den zuständigen Kommunen aus eigener Kraft fortgeführt werden sollte. Dazu fehlten aber die finanziellen Voraussetzungen, da die Kommunen nach dem Verlust eines Großteils der Betriebe mit sinkenden Steuereinnahmen, wachsender Arbeitslosigkeit und starker Abwanderung zu kämpfen hatten. Angesichts der vielfältigen kommunalen Pflichtaufgaben wurde daher alsbald an den freiwilligen Aufgaben (wozu auch die Bibliotheken gehören) gespart - und dies, obwohl im Osten das Interesse an kostenloser Bibliotheksnutzung ständig steigt und die Ausleihzahlen pro Kopf der Bevölkerung weit über denen in Westdeutschland liegen.

Nach einer Repräsentativumfrage der Stiftung Lesen gaben 1995 38 Prozent der Westdeutschen an, "noch nie" in einer Bibliothek gewesen zu sein, während dies nur für 16 Prozent der Ostdeutschen zutrifft. Dort benutzen 46 Prozent der Bevölkerung mindestens einmal im Jahr eine Bibliothek, während dies im Westen nur ein Drittel tut.[15] Die Zahl der Ausleihen ist im Osten seit 1990 um rund 60 Prozent angestiegen. Dort aber fehlen oft aktuelle Neuerscheinungen, oder es gibt lange Wartelisten dafür. Viele Bibliotheken versuchen sich inzwischen damit zu helfen, dass sie die Einrichtungen ehrenamtlich betreiben und Verlage anschreiben, um Buchspenden zu erbitten.

Fußnoten

14.
Vgl. Stiftung Lesen/Deutscher Kulturrat (Hrsg.), Kultur im Übergang, Mainz 1993, S. 18-20.
15.
Vgl. Stiftung Lesen (Anm. 12), S. 19.