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2.3.2009 | Von:
Christoph Links

Was blieb vom Leseland DDR?

Bilanz

In den vergangenen 20 Jahren hat sich das einstige "Leseland" grundlegend verändert. In dem Gebiet, in dem heute etwa 20 Prozent der deutschen Bevölkerung leben, haben auf der Produktionsseite ein deutlicher Abbau von Kapazitäten und eine Verlagerung nach Westen stattgefunden. Lediglich 4,5 Prozent aller Verlage Deutschlands sind noch in den östlichen Bundesländern beheimatet; deren Titelausstoß umfasst 2,1 Prozent der deutschen Buchproduktion, was einen Umsatzanteil an der Gesamtbranche von unter einem Prozent bedeutet. Berlin als Bundeshauptstadt zieht dagegen Verlage inzwischen an, sodass München als langjährige deutsche Buchhauptstadt vom ersten Platz verdrängt worden ist.

Die Absatzwege sind im Unterschied zum herstellenden Bereich deutlich gestärkt worden. Im Jahr 2006 registrierte der Börsenverein 647 ostdeutsche Buchhandlungen, was 12,8 Prozent aller Buchhandelsfirmen entspricht. Ihr Umsatzanteil an der Gesamtbranche beläuft sich auf 7,7 Prozent.[18] Die daran erkennbare geringe Kaufkraft im Osten Deutschlands wird von den Lesern durch eine verstärkte Bibliotheksnutzung ausgeglichen, sodass in der Häufigkeit der Buchlektüre wie auch bei den bevorzugten Titeln kaum mehr Unterschiede zum Westen der Republik festzustellen sind.

Fußnoten

18.
Vgl. ebd., S. 26, S. 38.