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17.2.2009 | Von:
Volker Lilienthal

Integration als Programmauftrag

Ausblick

Nicht erst seit Marcel Reich-Ranickis spontaner Pauschalkritik bei der Verleihung des Deutschen Fernsehpreises 2008 wird in der Öffentlichkeit vermehrt die Qualitätsfrage gestellt. Schon die "Süßstoff-Debatte" des Jahres 2001, die sich gegen romantische TV-Schmonzetten der ARD-Tochter Degeto richtete, zeigte ein Rumoren an. Was ist mediale Qualität? Was ist das bessere Fernsehen, der bessere Hörfunk? Fragen, die sich nicht leicht beantworten lassen. Eingedenk der pluralen Angebotsstruktur der audiovisuellen Medien gilt grundsätzlich: Die Qualität gibt es nicht, es gibt eine Vielzahl von Qualitäten, die erfüllt sein müssen, um professionellen Standards ebenso zu genügen wie dem Publikum ein Sinnerlebnis zu verschaffen.

Die besondere öffentlich-rechtliche Programmqualität, die in den kommenden Drei-Stufen-Tests immer wieder auf dem Prüfstand stehen wird, lässt sich nicht im Sinne von ISO-Normen definieren. Dagegen steht schon die gebotene Freiheitlichkeit von Meinung und Ausdruck, das offen Prozesshafte im Kampf der Ideen, im Ringen um das bessere Medienprodukt. Aber die Qualitäten, die ein öffentlich-rechtliches Fernsehen oder Radioprogramm oder Telemedium als mixtum compositum braucht, lassen sich schon beschreiben und objektivieren. Womit dann auch eine jeweilige Richtschnur für die Programmarbeit gegeben wäre.[17] Der öffentlich-rechtliche Rundfunk braucht eine Rückbesinnung auf Qualitäten von Aufklärung und Kultur, aber er braucht auch eine Modernisierung, nicht zuletzt was die Stilistik des Programms, seine Anmutung angeht. Die gute alte Integrationsaufgabe sollte revitalisiert werden.

Die wichtigste Zielgruppe dabei sind die jungen Menschen, die, mindestens als Wahlbürger, an die Demokratie gebunden werden sollten. ARD und ZDF haben bei den jungen Mediennutzern aber ein gewaltiges Akzeptanzproblem. Die Hälfte ihres Publikums ist älter als 65 Jahre, nur fünf Prozent unter 30.[18] Diesem Prozess der Vergreisung angemessen zu begegnen ist eine Herkulesarbeit, die man nicht nur den Programmverantwortlichen überlassen sollte, sondern die der Mithilfe von Öffentlichkeit, Politik, Medienkritik und Medienwissenschaft bedarf.

Fußnoten

17.
Vgl. Uwe Kammann/Katrin Jurkuhn/Fritz Wolf, Im Spannungsfeld. Zur Qualitätsdiskussion öffentlich-rechtlicher Fernsehprogramme (Schriftenreihe der Friedrich-Ebert-Stiftung), Berlin 2007.
18.
Befunde, welche die populäre Fernsehkritik zur puren Häme verleiten: "Die öffentlich-rechtlichen Sender sind für junge Menschen ungefähr so relevant wie Treppenlifter oder Blasentee." Alexander Kühn, Hier werden Sie ins Grab geschunkelt!, in: www.stern.de/unterhaltung/tv/:ARD-Hier-Sie-Grab/649630.html (1. 1. 2009).