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27.1.2009 | Von:
Peter Jarchau
Marc Nolting
Kai Wiegler

Nahrungsquelle Meer

Auswirkungen des Klimawandels

Die Fischerei ist durch ihren Treibstoffverbrauch eine Mitverursacherin des Klimawandels. Global verbrennen Fischereifahrzeuge jährlich 50 Milliarden Liter fossilen Treibstoff, um etwa 80 Millionen Tonnen Fisch und Fischereiprodukte anzulanden, und verbrauchen damit 1,2 % des gesamten globalen Rohölbedarfes. Dies entspricht etwa dem Gesamtölverbrauch der Niederlande. Die Fischereiflotten emittieren damit 130 Millionen Tonnen CO2 pro Jahr in die Atmosphäre.[14] Der Energiegehalt des Treibstoffs, der in der Fangfischerei verbraucht wird, ist 12,5 Mal größer als der des damit gewonnenen tierischen Proteins.

Wichtigster Effekt des anthropogenen Klimawandels auf marine Ökosysteme ist neben der Erwärmung insbesondere die Versauerung der oberen Meeresschichten durch CO2-Eintrag. Derzeit werden durch Brandrodungen netto etwa 0,3 Milliarden Tonnen Kohlenstoff mehr von der Vegetation in die Atmosphäre abgegeben als aufgenommen. Die oberen Meeresschichten nehmen dagegen netto 2 bis 2,5 Milliarden Tonnen Kohlenstoff (in Form von Kohlendioxyd) auf. Seit Beginn der Industrialisierung sind die oberen Meeresschichten bereits um etwa pH 0,1 versauert. Dies beeinträchtigt die Fähigkeit kalkbildender Organismen im Meer, Schalen oder Skelette zu bilden. Das betrifft neben den Korallen vor allem Primärproduzenten wie einige Planktonarten, die am Beginn der Nahrungskette stehen. Nach bisherigem Erkenntnisstand verschiebt die Erwärmung vor allem Lebensräume im Meer, aber die zunehmende Versauerung der oberen Meeresschichten bei gleichzeitiger massiver Überfischung kann langfristig vernichtende Auswirkungen auf marine Ökosysteme haben. Denn je stärker aquatische Ressourcen übernutzt werden, desto geringer ist deren Anpassungsfähigkeit an klimatische Änderungen.

Fußnoten

14.
Vgl. Peter H. Tyedmers/Reg Watson/Daniel Pauly, Fueling Global Fishing Fleets, in: Ambio, 34 (2005) 8, S. 635 - 638.