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Zensur von DEFA-Filmen in der Bundesrepublik


18.12.2008
Zwischen 1953 und 1966 überprüfte der "Interministerielle Ausschuss für Ost-West-Filmfragen" der Bundesregierung alle Filme aus sozialistischen Ländern – trotz Zensurverbot im Grundgesetz.

Einleitung



Die Filmzensur ist so alt wie der Film selbst. In Deutschland war (und ist) die kommerzielle Aufführung von Filmen nur mit einer Genehmigung möglich. Vollständige Verbote oder Auflagen, bestimmte Szenen nicht zu zeigen, hat es immer gegeben - vom Kaiserreich bis in die Gegenwart.[1] Was sich jedoch permanent verändert, sind die Inhalte der Bilder, die einer Zensur unterliegen: Erotische Darstellungen beispielsweise, die vor 50 Jahren noch Zensurbehörden in Alarmbereitschaft versetzt hätten, gehören heute zum Standardrepertoire jedes Hollywood-Films. Außergewöhnlich brutale oder Gewalt verherrlichende Szenen können hingegen auch heute noch verboten werden.






Die Zensur von Filmen ist ein interessantes Indiz für die moralischen, religiösen und politischen Ansichten einer Gesellschaft und für ihre politische Kultur. Wird ein Film offiziell verboten, dann hat er entweder ein Tabu verletzt oder gegen eine Ansicht verstoßen, die in der jeweiligen Gesellschaft als "wahr" oder "richtig" gilt. Gerade vor dem Hintergrund des Kalten Kriegs werfen Filmverbote viele interessante Fragen auf: Welche Filme aus dem jeweils anderen Machtblock durften dies- bzw. jenseits der Mauer gezeigt werden? Welche Bilder waren umstritten? Welche Inhalte waren verboten? Und welche Motive steckten hinter den Verboten?

Diesen Fragen soll im Folgenden am Beispiel der Bundesrepublik Deutschland in den 1950er und 1960er Jahren nachgegangen werden. Im Mittelpunkt steht das deutsch-deutsche Sonderverhältnis und der Umgang mit einzelnen Filmen der Deutschen Film-AG (DEFA), dem volkseigenen Filmstudio der DDR.


Fußnoten

1.
Vgl. zur Filmzensur in Deutschland: Martin Loiperdinger, Filmzensur und Selbstkontrolle. Politische Reifeprüfung, in: Wolfgang Jacobsen/Anton Kaes/Hans Helmut Prinzler (Hrsg.), Geschichte des deutschen Films, 2. akt. und erw. Aufl., Stuttgart-Weimar 2004, S. 525 - 544.