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30.8.2010 | Von:
Ulrike Capdepon

Der öffentliche Umgang mit der Franco-Diktatur

Übergang zur Demokratie: Amnestie und Amnesie

Mit dem von Konsens und Ausgleich getragenen Übergang zur Demokratie, der aus einer Kompromissstrategie der politischen Akteure resultierte, wurde nach dem Ende des Franco-Regimes eine öffentliche Auseinandersetzung mit der Diktatur vermieden. Das von der antifranquistischen Opposition eingeforderte Amnestiegesetz sollte nicht nur die politischen Gefangenen des Franco-Regimes aus den Gefängnissen befreien, auch den franquistischen Sicherheitskräften sicherte es langfristig Straffreiheit zu. Die Generalamnestie vom Oktober 1977, die erste vergangenheitspolitische Maßnahme des neu gewählten demokratischen Parlaments, war hinsichtlich der Diktaturverbrechen an eine gesellschaftliche Amnesie geknüpft.

Als Konsequenz gab es in Spanien über zwanzig Jahre lang keine gesellschaftliche Debatte über die Franco-Diktatur und den Bürgerkrieg. Eine Thematisierung der Repression wurde gemieden, der viel gepriesene, erfolgreiche Übergang zur Demokratie - die sogenannte transicion (1975-1982) - basierte auf einem offiziellen Verschweigen der Bürgerkriegs- und Diktaturverbrechen. Die während des demokratischen Wandels verkündete "nationale Versöhnung" stand einer gesellschaftlichen Auseinandersetzung mit der Diktaturvergangenheit entgegen.

Erst ab Ende der 1990er Jahre entwickelte sich sowohl in den Medien als auch in der politischen und zivilgesellschaftlichen Auseinandersetzung eine geschichtspolitische Debatte über den von den Kritikern als "Pakt des Schweigens" bezeichneten Umgang mit der Diktatur. In den vergangenen zehn Jahren ist in Spanien eine neue politische, soziale und kulturelle Dimension des öffentlichen Umgangs mit der franquistischen Vergangenheit festzustellen. Die Gründe dafür sind vielfältig und sollen im Folgenden in den Blick genommen werden.