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16.8.2010 | Von:
Christiane Grefe

Rio reloaded - Essay

Weltmacht Weltbürger

"Global denken, lokal handeln": Der Ansatz der "Agenda 21" erscheint zwanzig Jahre später weitsichtiger denn je. Er verdient auch deshalb als "Rio reloaded" neu bedacht zu werden, weil er die Demokratie belebt. Denn eine Schlüsselrolle spielt dabei die globale Zivilgesellschaft, die weit über professionalisierte Nichtregierungsorganisationen hinaus geht, sich dank des Internets ebenfalls intensiver denn je zusammenschließt und auf die die meisten kreativen Lösungen zurückgehen. Auch Bauern- oder Wirtschaftsverbände, Gewerkschaften, Wissenschaftsorganisationen und unzählige Stiftungen sind längst über die Grenzen der Kontinente hinweg vernetzt und können die Umsetzung von Vereinbarungen der VN vorantreiben. Beispielweise erinnern sie wie das Netzwerk CorA ihre Regierungen an deren Verantwortung dafür, dass transnationale Unternehmen auf die Einhaltung von Menschenrechten wie die Versammlungsfreiheit verpflichtet werden. Oder sie setzen sich wie La Via Campensina weltweit für die Umsetzung des Menschenrechts auf Nahrung ein. Global governance wird auch durch erfolgreiche Modelle auf nationaler Ebene bereichert. Am deutlichsten wird dies beim Einspeisegesetz für erneuerbare Energien. In keinem anderen Land ist die Einführung von Windkraft, Photovoltaik und Biomasse so weit gediehen wie in Deutschland, deshalb wurde das Gesetz bereits in über 50 Staaten in jeweils angepasster Weise zum Vorbild genommen.

Die Verbindung zwischen globaler und lokaler Ebene sieht auch die Wirtschaftsnobelpreisträgerin Elinor Ostrom als Weg, den drohenden Krisen zu begegnen. "Wir brauchen globale Abkommen", sagt sie und fügt hinzu: "Fangt bei Euch selbst an!"