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19.7.2010 | Von:
Rüdiger Thomas

Deutsche Kultur im Einigungsprozess

Akademie der Künste und PEN

Auf institutioneller Ebene haben die Protagonisten des deutsch-deutschen Kulturstreits ihren Dissens erst nach Jahren schlichten können. Nach schwierigen Diskussionen, an denen sich der Ostberliner Akademiepräsident Heiner Müller mit der Idee einer Europäischen Akademie engagiert beteiligt hatte, konnte 1993 nach einer komplizierten administrativen Prozedur die Akademie der Künste Berlin-Brandenburg gegründet werden, die aus den Akademien der Künste in Ost- und West-Berlin hervorgegangen ist.

Weit schwieriger gestaltete sich die Zusammenführung der beiden deutschen PEN-Zentren. Die Diskussion um die Verstrickung von Autoren und Verlegern in die Mechanismen des Überwachungsstaates führte zu anhaltenden Konfrontationen, die erst durch Joachim Walthers ernüchternde, ebenso materialreiche wie abgewogene Darstellung zum "Sicherungsbereich Literatur" (1996) eine klärende Beruhigung finden sollte. Es sollte noch langer Debatten bedürfen, ehe am 30. Oktober 1998 die Vereinigung gelang: Als versöhnliche Geste und aus Respekt vor seiner politischen Integrität wurde Christoph Hein zum ersten Präsidenten des vereinigten PEN-Zentrums Deutschland gewählt, dem 2002 Johano Strasser folgte. Mit Hein wurde ein Schriftsteller gewürdigt, der in seinen Büchern nicht nur Kindheitserinnerungen an ein zerrissenes Land beschworen ("Von allem Anfang an", 1997), sondern sich auch als Chronist einer zwiespältigen deutschen Gegenwart ("Willenbrock", 2000) erwiesen hat.


Dossier

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