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5.7.2010 | Von:
John Miller Beauvoir

Herausforderungen für die Jugend in Haiti - Essay

Der Autor umreißt die Herausforderungen für die Jugend Haitis. Er beschreibt sie als Hoffnung zur Lösung der systemischen Krise des Landes, da die traditionelle Elite sich als unfähig erwiesen hat, das Land in eine bessere Zukunft zu führen.

Einleitung

Haiti ist das ärmste Land der westlichen Hemisphäre. Obwohl seit dem Jahr 1804 unabhängig, kämpft diese erste schwarze Republik der modernen Welt immer noch ums Überleben und bemüht sich, die Folgen von Misswirtschaft, Naturkatastrophen und politischem Scheitern zu überwinden, die das Land seit nunmehr zwei Jahrhunderten plagen. Die zerstörerischen Kräfte der permanenten Krisen wirken sich auf alle Bereiche der Gesellschaft aus und entziehen der wichtigsten demographischen Gruppe die Grundlage: den Jugendlichen. Einer erfolgreichen Entwicklung der Jugend Haitis stehen immense Hindernisse im Wege. Die Arbeitslosigkeit wächst in den Himmel, eine Grundversorgung mit öffentlichen Einrichtungen ist praktisch nicht vorhanden und es fehlt jegliche Perspektive auch für die hoffnungsvollsten Jugendlichen in diesem Lande. Die politische Führung schließlich wird von einer traditionellen Gruppe beherrscht, die über einen Status quo wacht, in dem politische Meinungsäußerungen der Jugend von allen institutionellen Ebenen ausgeschlossen bleiben.

Das Erdbeben am 12. Januar 2010 forderte viele Opfer und stellt die Zukunft von mehr als fünf Millionen jungen Männern und Frauen in Frage. Die Jugend verkörpert nach allgemeiner Überzeugung die Zukunft eines Landes. In Haiti sind dem letzten Zensus zufolge 65 Prozent der Bevölkerung unter 25 Jahre alt, was die Jugend zum bestimmenden Faktor für die Zukunft des Landes macht. Dieser hohe Anteil junger Menschen ist jedoch ein zweischneidiges Schwert: Gut ausgestattet und betreut, können sie eine treibende Kraft für den Wiederaufbau des Landes und für langfristiges Wachstum sein. Wenn sie dagegen marginalisiert werden, können sie zu einem Faktor der Instabilität, Armut und Unsicherheit werden.

Es gibt jedoch keine spezifische staatliche Politik, die den besonderen Bedürfnissen dieser Gruppe Rechnung trägt. Jugendförderung war niemals eine Priorität für die Regierung und daher schafft es das Land nicht, aus dem Teufelskreis von Armut und Instabilität auszubrechen. Angesichts dieses Versagens der traditionellen Eliten sind die Jugendlichen Haitis wegen ihres Alters und ihres hohen Anteils an der Bevölkerung Hoffnungsträger für eine bessere Zukunft.


Hintergrund aktuell (01.04.2010)

Knapp zehn Milliarden Dollar für Haiti

Eine neue Zukunft für Haiti: Auf Einladung der UN haben sich unter diesem Motto am Mittwoch (31.03.2010) Vertreter von mehr als 150 Staaten auf einer internationalen Geberkonferenz in New York getroffen. Für den langfristigen Wiederaufbau Haitis wollen Staaten und Organisationen rund 10 Milliarden Dollar zur Verfügung stellen. Das ist deutlich mehr als erwartet.

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