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Jugendkulturen heute - Essay


25.6.2010
Jugendkulturen sind in der Lage, die als immer chaotischer empfundene Welt ein wenig zu ordnen. Sie sind Beziehungsnetzwerke, die Jugendlichen die Gelegenheit bieten, ihr kreatives Potenzial zu entdecken.

Einleitung



Fast alles, was wir über "die Jugend" und deren Kulturen wissen, wissen wir aus den Medien. Diese sind aber vor allem an Extremem und Negativem interessiert. Sie leben davon, stets das Außergewöhnliche, nicht Alltägliche in den Vordergrund zu rücken und zur Normalität zu erheben: Drei betrunkene Rechtsradikale, die "Sieg Heil!" grölend durch ein Dorf laufen, erfahren so eine bundesweite Medienresonanz; eine Jugendgruppe, die sich monatelang aktiv gegen Rassismus und Rechtsextremismus engagiert, ist der Lokalzeitung in der Regel kaum ein paar Zeilen wert. Die "gute" Nachricht ist keine. Und was nicht in den Medien stattfindet, gibt es nicht. Zudem neigen Populärmedien in Zeiten härterer Konkurrenzkämpfe um Auflagen und Einschaltquoten dazu, ihre Themen weiter zuzuspitzen. "Keine Jugendgewalt" oder "immer weniger Gewalt" sind keine Themen, die sich gut verkaufen. Und so heißt es stets: "Immer mehr Jugendgewalt", "immer brutaler" die Täter. Da ist Sensation statt Information gefragt, immer schneller, immer schriller, immer billiger.

Wir sollten uns also bewusst machen, dass das, was wir über "die Jugend" zu wissen glauben, nicht unbedingt der Realität entspricht, sondern der veröffentlichten Realität, dem, was Medien aus der unendlichen Fülle täglicher Ereignisse auf Basis ihrer eigenen Perspektive und Interessenlage für uns vorsortieren und auf die Agenda setzen. Medien präsentieren nur einen kleinen - meist negativen - Ausschnitt von "Jugend" (zudem mit oft haarsträubend schlecht recherchierten "Fakten"), den wir pars pro toto nehmen.

Dass diese Botschaft von der immer schlimmeren Jugend auf fruchtbaren Boden fällt, ist allerdings kein neuer Trend: Seit Sokrates vor mehr als 2000 Jahren heißt es über jede Jugend, sie sei schlimmer, respektloser, konsumtrotteliger, unpolitischer, unengagierter als die vorhergegangenen - sprich: als wir selbst. Dies ist jedoch mehr einer gnädigen Rosarot-Zeichnung unserer eigenen Jugendphase geschuldet. Nehmen wir nur einmal als Beispiel die berühmten "68er", die nachfolgenden Generationen seitdem stets als leuchtendes Vorbild vorgehalten werden: scheinbar eine ganze Generation auf den Barrikaden, politisiert und engagiert, Aktivisten einer sexuellen und kulturellen Revolution. Tatsächlich gingen damals nur drei bis fünf Prozent der Studentinnen und Studenten demonstrierend auf die Straße, und die "Bravo"-Charts der Jahre 1967 bis 1970 verzeichnen als beliebteste Künstler der Jugend jener Jahre nicht die Rolling Stones, Jimi Hendrix oder The Doors, sondern mit großem Abstand: Roy Black.



 

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