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5.6.2010 | Von:
Markus Loewe

Die Diskrepanz zwischen wirtschaftlicher und menschlicher Entwicklung in der arabischen Welt

Gesellschaftliche Möglichkeiten

In gesellschaftlicher Hinsicht fällt in den arabischen Ländern insbesondere auf, wie stark die Errungenschaften von Frauen und Männern bei der menschlichen Entwicklung voneinander divergieren. So liegt der Anteil der Mädchen in den Grundschulen noch immer nur bei 45%, und zwei von drei Analphabeten sind Frauen. Zwar haben Frauen eine um 5% höhere Lebenserwartung als Männer, der Unterschied ist aber in allen anderen Ländern mit jeweils dem gleichen Einkommensniveau noch deutlich größer.[14]

Noch gravierender ist die ökonomische und politische Benachteiligung der Frauen. 2007 lag die Erwerbsbeteiligung bei Frauen in den arabischen Ländern im Mittel bei 34%, in Südasien hingegen bei 44%, in Subsahara-Afrika bei 73% und in Ost- und Südostasien bei 79%. Seit 1990 ist die Erwerbsbeteiligung der arabischen Frauen sogar noch gesunken. Zudem lag der Durchschnittsverdienst von Frauen bei nur 29% des Verdienstes von Männern, während das ungewichtete Mittel desselben Verhältnisses für alle Länder der Welt 54% ist.[15] Und beim Gender Empowerment Measure (einem Index von UNDP, der die Beteiligung von Frauen an der Politik und am Management privater Unternehmen erfasst) erreichen die arabischen Länder im Mittel 0,394 Punkte und damit 0,250 Punkte weniger, als man in Anbetracht ihres Einkommensniveaus erwarten könnte.[16]

Schließlich sind Frauen in den arabischen Ländern gegenüber Männern auch in ihren rechtlichen Möglichkeiten benachteiligt. Zum einen werden sie in den meisten Ländern ganz explizit durch gesetzliche Regelungen diskriminiert. Zum anderen sind sie bei der Rechtsanwendung auch informellen Benachteiligungen ausgesetzt, da sie nur über begrenzte Möglichkeiten des Zugangs zu Verwaltung und Justiz verfügen.[17]

Fußnoten

14.
Eigene Berechnung auf Basis von UNDP (Anm. 1), S. 181-184.
15.
Vgl. UNDP (Anm. 1), S. 256.
16.
Eigene Berechnung auf Basis von ebd., S. 186-189.
17.
Vgl. Markus Loewe, Middle East/North Africa and the Millennium Development Goals, Bonn 2006, S. 62-68.