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11.5.2010 | Von:
Konrad Dussel

Entstehung und Entwicklung einer Gemeinschaft

Gemeinschaftsaufgabe "Deutsches Fernsehen"

Die Satzung der Arbeitsgemeinschaft ist bis heute von lapidarer Kürze. Nach wie vor beschränkt sie sich darauf, als zentrale Aufgabe das "Wahrnehmen der gemeinsamen Interessen der Rundfunkanstalten" zu definieren. Vom Fernsehen ist mit keinem Wort die Rede.[6] Schon 1950 war jedoch klar, dass das neue Medium eingeführt werden würde; schließlich hatte man beim NWDR bereits 1948 mit erstem Versuchsbetrieb begonnen. Allerdings wurde schnell deutlich, dass das Projekt sehr kostspielig werden würde. Selbst der NWDR als mit Abstand größte und finanzkräftigste Anstalt würde es nicht ohne weiteres bewältigen können. Für die anderen, wesentlich kleineren Anstalten war es völlig ausgeschlossen. Letztlich waren damals nur zwei Strategien denkbar: Entweder würde das Fernsehen vom Bund zentral betrieben oder als Gemeinschaftsleistung der Arbeitsgemeinschaft organisiert. Während die erste Lösung verständlicherweise von der Bundesregierung favorisiert wurde, suchte die Arbeitsgemeinschaft ihre Mitglieder auf die zweite Alternative festzulegen. Leicht war das nicht, denn wie bei vielen anderen Gelegenheiten auch waren die Intendanten nicht von vornherein schon einer Meinung. Im Falle der Fernsehorganisation war es vor allem der SWF-Intendant Friedrich Bischoff, der sich zunächst für ein zentral gestaltetes Programm aussprach.

Eine Einigung war auch dann noch nicht in Sicht, als der NWDR an Weihnachten 1952 mit einem regelmäßigen täglichen Programmdienst begann. Erst als das Bundesinnenministerium im Februar 1953 einen eigenen Gesetzentwurf vorlegte, lockerten sich die Fronten innerhalb der ARD. Ihre schon seit November 1950 bestehende Fernsehkommission bereitete einen Vertragsentwurf vor, den die Intendanten auf ihrer Sitzung am 27. März 1953 in Hannover billigten. Der Vertrag konstruierte das Programm als Gemeinschaftsleistung, zu der fünf Anstalten genau definierte Anteile beizusteuern hatten: Der NWDR hatte die Hälfte zu liefern, der Bayerische Rundfunk 20 Prozent und Hessischer Rundfunk, Süddeutscher Rundfunk sowie Südwestfunk jeweils zehn Prozent; Radio Bremen war nicht beteiligt. Von einem tagesfüllenden Programmangebot war man noch weit entfernt. Stattdessen hieß es: "Es soll höchstens zwei Stunden täglich dauern."[7]

Die ganz unterschiedlichen Programmanteile spiegelten die genauso unterschiedlichen ökonomischen Verhältnisse der verschiedenen Anstalten wider. Bei ihrer Gründung war diesem Aspekt nämlich keine Bedeutung zugemessen worden. Wie bei den Bundesländern, so gab (und gibt) es auch bei den Landesrundfunkanstalten Riesen und Zwerge. Die Unterschiede waren so groß, dass sie lange Zeit noch nicht einmal offiziell dokumentiert wurden. Erst 1969 erschien das erste gemeinsame ARD-Jahrbuch für alle Anstalten. Und es dauerte bis 1972, bis darin einigermaßen vergleichbare Finanzzahlen präsentiert wurden. Danach betrugen im Jahr 1971 die Nettoerträge aus den Rundfunkgebühren bei Radio Bremen und beim Saarländischen Rundfunk 15,6 bzw. 20 Millionen Mark, während beim Westdeutschen Rundfunk und beim Norddeutschen Rundfunk, die bis 1955 gemeinsam den NWDR gebildet hatten, 310 Millionen bzw. 217 Millionen Mark in die Kassen flossen.[8]

Fußnoten

6.
ARD-Satzung vom 9./10. Juni 1950 in der Fassung vom 20. Juni 2006, §2, online: www.ard.de/intern/organisation/-/id=515780/property=download/nid=8036/
134puwo/index.pdf (9.3.2010).
7.
Zit. nach: H. Bausch (Anm. 1), S. 274.
8.
Vgl. ARD-Jahrbuch 1972, Faltblatt nach S. 234.

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