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11.5.2010 | Von:
Konrad Dussel

Entstehung und Entwicklung einer Gemeinschaft

Gemeinsame Institutionen

So wichtig das Programm als Endergebnis für die einzelnen Anstalten und ihre Gemeinschaft sein muss, so bedarf es doch einer Menge von Voraussetzungen, die ihrerseits feste Organisation verlangten.[15] Noch in den 1950er Jahren entstanden drei bis heute bestehende Institutionen. Älteste Einrichtung der ARD ist das Deutsche Rundfunkarchiv (DRA) mit Sitz in Frankfurt am Main. 1952 gegründet, um die Geschichte des Rundfunks in Deutschland zu dokumentieren, wurde ihm 1978 mit der zentralen Schallplattenkatalogisierung eine weitere wichtige Aufgabe übertragen. Seit 1994 bewahrt es auch die gesamte Überlieferung des DDR-Rundfunks im zweiten Standort Potsdam.

Weniger voraussetzungslos als das DRA entstanden die Deutsche Gesellschaft für Ton und Film (Degeto) und das Institut für Rundfunktechnik (IRT). Die Degeto war schon 1928 gegründet worden. Ein neuer Abschnitt begann jedoch, als sie seit 1954 für die Filmbeschaffung für die Fernsehprogramme des Hessischen Rundfunks eingesetzt wurde - eine Aufgabe, die sie seit 1959 dann auch zentral für alle anderen Anstalten übernahm. Auch das IRT hat seine Wurzeln in der Weimarer Republik, in der Rundfunktechnischen Versuchsstelle der Reichsrundfunk-Gesellschaft. Nach 1945 kam es gleich zu mehreren Neugründungen, die dann 1956 unter dem heutigen Dach zusammengeführt wurden.

Die jüngeren Gemeinschaftseinrichtungen werden nun nicht mehr nur von der ARD allein, sondern auch vom ZDF getragen. An erster Stelle ist jene Institution zu nennen, mit der eigentlich jeder deutsche Haushalt irgendwann zu tun bekommt: die GEZ, die Gebühreneinzugszentrale der öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten in der Bundesrepublik. Nachdem in langwierigen Verfahren die Rechtsnatur der Rundfunkgebühr geklärt worden war, entschlossen sich die Anstalten 1973, ihren Einzug, der zuvor von der Bundespost vorgenommen wurde, selbst zu organisieren. Am 1. Januar 1976 begann die GEZ mit dieser Tätigkeit.

Nachdem das Thema Sportübertragungen im Fernsehen lange Jahre eher beiläufig bearbeitet werden konnte, entwickelte es sich nach der Einführung des Privatfernsehens äußerst kostenträchtig. Als zentrale Einrichtung etablierten die Öffentlich-Rechtlichen deshalb 1995 die SportA, die Sportrechte- und Marketing-Agentur. Eher von anstaltsinterner Bedeutung, aber dennoch erwähnenswert ist schließlich noch die Gründung einer gemeinsamen Fortbildungseinrichtung, der ARD-ZDF-Medienakademie ab 1. Januar 2007, hervorgegangen aus zwei älteren, aber ebenfalls schon von ARD und ZDF gemeinsam betriebenen Vorgängern.

Fußnoten

15.
Vgl. zum Folgenden den Überblick über die Institutionen für gemeinsame Aufgaben auf der ARD-Homepage: www.ard.de/intern/organisation/
gemeinschaftseinrichtungen/-/id=54562/
6sfqia/index.html (9.3.2010).

Öffentlich-rechtlicher Rundfunk
Aus Politik und Zeitgeschichte (APuZ 9-10/2009)

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