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19.2.2010 | Von:
Heike Kratt

Zivile Konfliktbearbeitung in Israel und Palästina

Anhand von Praxisbeispielen soll veranschaulicht werden, wie Zivile Konfliktbearbeitung und Friedensförderung in Israel und Palästina konkret aussehen können und welche Herausforderungen Möglichkeiten sich ergeben.

Einleitung

Das Denken und die Methoden der Vergangenheit konnten die Weltkriege nicht verhindern, aber das Denken der Zukunft muss Kriege unmöglich machen." (Albert Einstein) Die Zivile Konfliktbearbeitung als Denk- und Handlungskonzept hat sich im Rahmen der gesellschaftlichen Umbrüche entwickeln können, die das Ende des Kalten Krieges kennzeichneten. Sie erweiterten den Blick auf politische Akteure: Es wurde deutlich, dass nicht nur der Staat und seine Institutionen über Handlungsmacht verfügen; auch zivile (also nicht-staatliche) Akteure wurden als Träger gesellschaftlichen Wandels wahrgenommen. In diesem Sinne stellt der Begriff Zivile Konfliktbearbeitung die Bedeutung von nicht-staatlichen Akteuren in den Vordergrund - auch wenn staatliche Akteure konzeptionell nicht ausgeschlossen werden.[1]




Der Begriff "zivil" hat eine Doppelbedeutung, die auch für die weitere Bestimmung der Zivilen Konfliktbearbeitung entscheidend ist. Zivil wird auch im Sinne von "nicht-militärisch" gebraucht. Im Rahmen der Zivilen Konfliktbearbeitung greift diese Bedeutung allerdings zu kurz; zivil heißt hier allgemeiner "nicht gewalttätig". Die Nichtanwendung von Gewalt ist damit das übergeordnete Ziel der Zivilen Konfliktbearbeitung.

Ein Konflikt wird dabei nicht mit Gewalt gleichgesetzt. Konflikte werden als notwendige Bestandteile von gesellschaftlichen Prozessen definiert. Verhindert werden soll aber, dass sie gewalttätig ausgetragen werden. Daher ist das Ziel von Ziviler Konfliktbearbeitung die gewaltfreie Austragung von gesellschaftlichen Konflikten.[2] Dabei geht es nicht nur um die Verhinderung von physischer Gewalt. Auch dahinter liegende Formen von struktureller und kultureller Gewalt müssen mit einbezogen und bearbeitet werden.

Zivile Konfliktbearbeitung kann sowohl durch innergesellschaftliche Akteure als auch durch sogenannte Drittparteien geleistet werden. In diesem Artikel soll es vor allem um die zweite Form und speziell um den Zivilen Friedensdienst (ZFD) in Israel und den palästinensischen Gebieten gehen. Anhand von zwei Beispielen soll veranschaulicht werden, wie Zivile Konfliktbearbeitung und Friedensförderung praktisch aussehen kann und welche Herausforderungen und Möglichkeiten dieser Ansatz in dieser spezifischen Region hat.

Fußnoten

1.
Vgl. Martin Quack, Ziviler Friedensdienst: Exemplarische Wirkungsanalysen, Dissertation an der Universität zu Köln, Entwurf vom 8.8. 2008, S. 19.
2.
Vgl. Christoph Weller/Andrea Kirschner, Zivile Konfliktbearbeitung - Allheilmittel oder Leerformel? Möglichkeiten und Grenzen eines viel versprechenden Konzepts, in: Internationale Politik und Gesellschaft, 4 (2005), S. 10 - 29.

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