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Politische Sprache: Zeichen und Zunge der Macht


16.2.2010
Die politische Sprache ist ein Kampf mit Wörtern um Wörter, um die öffentliche Meinung zu beeinflussen. Die drei bekanntesten und gängigsten Methoden dazu sind benennen, besetzen und beschönigen.

Einleitung



Politische Sprache bedeutet den politischen Gebrauch der Sprache. Wenn widerstreitende Kräfte in der Gesellschaft die Sprache für ihre Machtkämpfe öffentlich einsetzen, nutzen sie die Sprache politisch. Gelingt es diesen Kräften, die Meinungen und Einstellungen oder gar die Verhaltensweisen der Menschen zu beeinflussen und Mehrheiten für sich zu gewinnen, dann hat sich dieser Gebrauch gelohnt. Daher ist die "politische Sprache" nicht mit der Sprache der Politiker gleichzusetzen. Nicht nur Politiker vermögen politisch zu sprechen, sondern auch Führungskräfte in der Wirtschaft, wenn sie ihr Handeln öffentlich legitimieren, oder Intellektuelle, wenn sie Ideologien kritisch entlarven und so den Nährboden für den Machtzuwachs mancher Kräfte austrocknen und manch anderer düngen. Die Sprache der Politiker hingegen umfasst stilistische Eigenheiten, liebgewonnene Formulierungen und gewöhnliche Floskeln,[1] die teils individuell gefärbt sind und nur schwach mit Steuerung von Öffentlichkeiten oder Lenkung von gesellschaftlichem Handeln zusammenhängen.






Fußnoten

1.
Floskeln sollte man nicht generell verurteilen, denn auch sie ergeben einen Sinn: Sie schaffen Distanz, geben Zeit zur Orientierung, erlassen es den Menschen, sich vorschnell auf diese oder jede Position festzulegen. Schließlich gehören Floskeln auch oft zur Sprache der Höflichkeit.

 

Joachim Scharloth

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