APUZ Dossier Bild

16.2.2010 | Von:
Rüdiger Harnisch

Dialektentwicklung am Rande des Eisernen Vorhangs

Die deutsch-deutsche Grenze hat auch zu unterschiedlichen Dialektentwicklungen geführt. Anhand konkreter sprachlicher Merkmale wird geschildert, wie die hermetische politische Grenze auch zu einer Sprachgrenze wurde.

Einleitung

Mitten durch das deutsche Sprachgebiet wurde nach dem Zweiten Weltkrieg eine politische Grenze gezogen: der "Eiserne Vorhang" zwischen der DDR und der Bundesrepublik Deutschland. Würden sich in den beiden neuen politischen Gebilden nun unterschiedliche deutsche "Sprachen" entwickeln, zumindest unterschiedliche regionale Standardvarietäten des Hochdeutschen? Würden sich unterhalb des Hochdeutschen unterschiedliche Umgangssprachen herausbilden? Würden entlang des Grenzzauns auch neue Dialektgrenzen entstehen, auch wenn vor der Grenzziehung dort gar keine existiert hatten? Der zuletzt gestellten Frage nahm sich das Forschungsprojekt an, aus dem hier berichtet werden soll. Als Untersuchungsgebiet wählten die Projektinitiatoren[1] den bayerisch-thüringischen Grenzsaum aus, der sich ungefähr vom Raum Sonneberg/Coburg über den Raum Saalfeld/Kronach bis in den Raum Schleiz/Hof an der Saale erstreckt. Dieser Abschnitt war dialektgeographisch reich gegliedert und aus der Zeit vor der Grenzziehung gut erforscht.






Die sprachgeographische Situation in diesem Raum, so ging aus den älteren dialektologischen Untersuchungen hervor, war tatsächlich dadurch gekennzeichnet, dass die ursprünglichen Dialektgrenzen mit der neuen deutsch-deutschen Grenze genausowenig deckungsgleich verlaufen waren wie in der Vorkriegszeit mit den Grenzen zwischen den politischen Territorien des föderalen deutschen Staatsgebildes, an denen sich die innerdeutsche Grenzziehung orientiert hatte. Vereinfacht ausgedrückt wurde in Thüringen nicht nur thüringisch gesprochen, sondern zum Teil auch fränkisch; und in den fränkischen Gebieten Bayerns wurde nicht nur fränkisch gesprochen, sondern zum Teil auch thüringisch. Wenn nach der Grenzöffnung an dieser Grenze nun dialektgeographische Unterschiede festzustellen waren, konnten sie nicht von alten Dialektgrenzen herrühren, sondern mussten dort im Lauf der vergangenen Jahrzehnte entstanden sein.

Fußnoten

1.
Robert Hinderling (Bayreuth) und der Autor, Wolfgang Lösch und Rainer Petzold (Jena).

Joachim Scharloth

Revolution der Sprache?

"Unordentliche" Kleidung, lange Haare und offene Verstöße gegen Benimmformen: Die 68er-Bewegung war eine Rebellion gegen die herrschende Ordnung. Auch in der Sprache und Kommunikationsritualen sorgten die 68er für reichlich Unordnung.

Mehr lesen